Walliser Kastanien: Kaum jemand will noch «Brot der Armen» essen

Früher hatten die Kastanien im Wallis eine grosse Bedeutung als Lebensmittel. Heute muss die Regierung zur Erhaltung und Pflege der Kastanienwälder aufrufen.

Eine Kastanie in ihrer ganzen Pracht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Wallis sind Kastanien als «Brot der Armen» nicht mehr gefragt und deshalb schutzbedürftig. Keystone

Früher habe das Wallis - nach dem Tessin - die grössten Kastanienselven gehabt, stellt die Walliser Regierung fest. Heute allerdings seien die meisten dieser Kastanienhaine verwildert und verwachsen. Die alten Bäume kranken und sterben ab.

In Mörel hat ein ehemaliger Söldnerführer vor 150 Jahren die Kastanien aus dem italienischen Süden mitgebracht und ob dem Dorf einen Kastanienwald angelegt, weiss Gerhard Schmid: «Damals ging es den Leuten schlecht. Sie hatten zu wenig zu essen. Viele wanderten aus.» Da seien die Kastanien sehr willkommen gewesen: «Sie waren das Brot der armen Leute», erklärt Gerhard Schmid im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Als die Not weniger gross gewesen sei, habe man die Kastanienbäume vergessen und die Haine verganden lassen. Erst vor rund 15 Jahren hat man in Mörel wieder angefangen, die Bäume zu pflegen und den Kastanienwald als Naherholungsgebiet zu nutzen.

Bedeutung als Naherholungsgebiet

Dies tut man auch in mehreren Gebieten im Unterwallis. Und bei Eyholz im Oberwallis ist man jetzt gerade dabei, den alten Kastanienwald wieder freizulegen. Die Bäume, so Matthias Hutter vom kantonalen Forstamt, seien in einem schlechten zustand: «Wenn man sie jetzt aber vom Gebüsch und anderen Bäumen befreit, kann man die alten Kastanien wahrscheinlich noch retten.» Als Lebensmittel hätten sie sicher keine grosse Bedeutung mehr. Aber: Unter diesen alten Riesen zu flanieren sei schön: «Diese Kastanienwälder können schöne Naherholungsgebiete werden.»

Das Wallis hat über 150 Hektaren Kastanienhaine. Rund 100 Hektaren sind wieder instandgesetzt.