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Legende: Audio Esther Waeber-Kalbermatten: «Wir wollen die Hausärzte entlasten» abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 04.09.2019.
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Zu wenig Hausärzte Hat das Oberwallis ein Problem, Frau Waeber-Kalbermatten?

Das Wallis habe einen gravierenden Hausärzte-Mangel, sagen mehrere Ärzte. Die Gesundheitsdirektorin nimmt Stellung.

Eine kantonale Erhebung zur Tätigkeit der Ärzte im Wallis zeigte im Mai 2019 auf, dass es im Wallis genügend Hausärztinnen und Hausärzte gäbe. Doch einzelne Beispiele zeigen das Gegenteil.

In der Gemeinde Stalden hat ein Arzt zwei Jahre versucht, einen Nachfolger zu finden – ohne Erfolg. Ein Drittel seiner Patientinnen und Patienten muss nun auf den Notfall in Visp. Das sei tatsächlich ein Problem, gibt Gesundheitsdirektorin Esther Waeber-Kalbermattten zu.

Esther Waeber-Kalbermatten

Esther Waeber-Kalbermatten

Walliser Staatsrätin

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Die SP-Politikerin ist Chefin des Departements für Gesundheit, Soziales und Kultur und seit 2009 in der Walliser Kantonsregierung vertreten. Sie war ausserdem Besitzerin der Waeber-Apotheke in Brig.

SRF News: Ein Arzt behauptet, das Walliser Gesundheitssystem «pfeife» aus dem letzten Loch und der Hausärzte-Mangel sei gravierend. Was sagen Sie dazu?

Esther Waeber-Kalbermatten: Unsere Untersuchung zeigt, dass sich die Situation in den letzten vier Jahren im gesamten Oberwallis nicht verändert hat. Unsere Zahlen lassen sich aber schlecht verallgemeinern.

Die Resultate der kantonalen Studie

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Zum zweiten Mal nach 2014 führte das Walliser Gesundheitsobservatorium im Auftrag des Kantons im Jahr 2019 eine umfassende Erhebung durch.

Diese zeigt, dass sowohl die Zahl der Hausärztinnen und -ärzte gestiegen ist, als auch die Zahl von Spezialistinnen und Spezialisten. Die Zahl der zugelassenen Ärztinnen und Ärzte im Wallis ist von 858 im Jahr 2014 auf 1037 im Jahr 2018 angestiegen.

Ausserdem gibt es immer mehr Frauen im Arztberuf und das Durchschnittsalter der frei praktizierenden Ärztinnen und Ärzten ist gesunken, von 57 auf 52 Jahre.

Auf die Bevölkerung übertragen ist die Hausärztedichte im Kanton Wallis in diesem Zeitraum jedoch gleich geblieben: auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen 0.8 Vollzeitstellen.

Die Erhebung zeigt laut der Mitteilung des Kantons auch auf, dass die Mehrheit der Hausärztinnen und -ärzte innert fünf Tagen eine neue Patientin oder einen neuen Patienten annehmen könnten.

Es ist tatsächlich so, dass sich in Talgemeinden mehr Ärzte niederlassen als in Berggemeinden wie Stalden, wo es jetzt keinen Hausarzt mehr gibt.

Was unternimmt der Kanton, um das Problem zu beheben?

Wir haben eine sogenannte «medizinische Regulierung» mit der Nummer 144, durch die die Hausärzte weniger Notfallzeiten abdecken müssen. Im Spital Visp gibt es eine spezielle notfallärztliche Hausarztpraxis, einzelne Ärzte müssen deshalb weniger Notfalldienste übernehmen. Und: Wer im Wallis einen neuen Hausarzt anstellt, bekommt während der ersten sechs Monate 60 Prozent des Lohnes von der öffentlichen Hand.

Laut der Studie sollte es Patientinnen und Patienten innert fünf Tagen möglich sein, einen neuen Hausarzt zu finden. Doch das ist nicht überall so – in Stalden gibt es viele Personen, die nach der Pensionierung ihres Hausarztes niemand Neues gefunden haben.

Für die Umfrage wurden Hausärzte befragt. Wir wollten wissen, innerhalb von welchem Zeitraum sie neue Patienten annehmen. Und die meisten sagten, das sei in fünf Tagen möglich. Diese Antwort unterscheidet sich tatsächlich von der Situation in Stalden.

Worin sehen Sie, Frau Waeber-Kalbermatten, die Gründe für den Mangel?

Ich denke, die Schweiz bildet grundsätzlich zu wenige Ärztinnen und Ärzte aus. Das sehen wir auch in den Spitälern, wo sehr viele Leute aus dem Ausland arbeiten.

Wir bilden in der Schweiz zu wenig Ärztinnen und Ärzte aus.

Dazu kommt die wichtige Unterscheidung zwischen Hausärzten und Spezialisten: Letztere verdienen in der Regel viel mehr Geld aufgrund des Tarmed-Tarifsystems als Hausärzte.

Müsste man den Numerus clausus, den strengen Eignungstest fürs Medizinstudium, überdenken?

Ja, ich fände das wichtig. Wenn wir in der Schweiz ein Problem haben und nun Ärztinnen aus Deutschland oder von weiter weg anstellen, dann haben diese Länder langfristig zu wenig Ärzte. Jedes Land sollte genügend Leute ausbilden, um den Eigenbedarf zu decken.

Das Gespräch führte Silvia Graber.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "die Schweiz bildet grundsätzlich zu wenige Ärztinnen und Ärzte aus" - so ist es, und eigentlich weiss man das schon lange.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Einmal mehr: zusehen, zuwarten, bis das Problem eskaliert....! Ausbaden müssen diese Unfähigkeiten der Zuständigen im Gesundheits-Un-Wesen (Gesundheits-Direktorin für den Kt. Wallis), logischerweise die PatientenInnen - die Bevölkerung!! Und jetzt wird"Übelbekämpfung" gemacht, statt effektiver "Ursachen-Verursachungs-Behebung"!!
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