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25 Jahre Alpeninitiative «Der Alpenschutz-Artikel hatte enorme Auswirkungen»

Legende: Audio Gespräch mit Andrea Hämmerle, Mitgründer der Alpeninitiative abspielen. Laufzeit 11:07 Minuten.
11:07 min, aus Regionaljournal Ostschweiz vom 19.02.2019.

Am 20. Februar 1994 sagte das Schweizer Stimmvolk Ja zur «Eidgenössischen Volksinitiative zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr (Alpeninitiative)». Der Artikel 84 der Schweizer Bundesverfassung - der sogenannte Alpenschutz-Artikel - verlangt seitdem, dass das Alpengebiet vor dem Transitverkehr geschützt werden muss. Der Bündner Andrea Hämmerle gehörte vor 25 Jahren zum Kernteam des Vereins «Alpen-Initiative».

Andrea Hämmerle

Andrea Hämmerle

Gründungsmitglied Alpen-Initiative

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Der promovierte Jurist und Biobauer war Mitglied des Gründungsteams des Vereins Alpen-Initiative. Andrea Hämmerle war Gemeinderat von Pratval, sass für die SP im Grossen Rat des Kantons Graubünden und wurde 1991 in den Nationalrat gewählt. Bei den Wahlen 2011 trat Hämmerle nicht mehr an.

SRF News: 1994 hatte die Alpeninitiative Erfolg. Aussergewöhnlich war das nicht nur, weil die Forderung radikal war, sondern auch, weil Volksinitiativen damals beim Volk kaum Chancen hatten. Warum hat es bei dieser Initiative geklappt?

Andrea Hämmerle: Es spielten verschiedene Faktoren eine Rolle. Erstens war der Alpenraum für die Schweiz etwas wahnsinnig Wichtiges - auch für Leute, die nicht im Alpenraum wohnten. Ausserdem wurde der Umweltschutz immer mehr zum Thema. Und da wir ja nicht die Autos, sondern die Lastwagen regulieren wollten, waren auch Autofahrer auf unserer Seite. Zudem half die Formulierung «von Grenze zu Grenze» Leute zu mobilisieren, die national und nationalistisch orientiert waren.

Die Initiative wurde bis heute nicht umgesetzt: Es fahren noch immer mehr Lastwagen durch die Schweizer Alpen, als damals gefordert wurde. Wie sehr frustriert Sie das?

Diese Geschichte hat zwei Seiten. Man kann sagen, dass die Initiative nicht umgesetzt wurde, da anstelle der geforderten rund 600'000 Lastwagen noch knapp eine Million durch die Alpen fahren. Ich bin aber der Meinung, dass die Situation am San Bernardino und am Gotthard ohne die Alpeninitiative völlig anders aussehen würde - wahrscheinlich gäbe es zwei Millionen Lastwagen.

Der Alpenschutz-Artikel hatte enorme Auswirkungen auf die schweizerische Verkehrspolitik.

Vielleicht hätten wir auch keine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, und wir hätten vielleicht auch die Neat nicht so finanzieren können, wie wir das gemacht haben. Der Alpenschutz-Artikel hatte enorme Auswirkungen auf die schweizerische Verkehrspolitik.

Die Alpeninitiative wurde nicht von einer Partei, sondern von Privatpersonen lanciert; die Folge war eine Art Bürgerbewegung. Lassen sich die damaligen Entwicklungen mit den aktuellen Klimastreiks in den Schweizer Städten vergleichen?

Ich glaube, es gibt Ähnlichkeiten und auch Unterschiede. Es ist eine Bewegung, es ist eine Begeisterung für ein Thema und es ist Engagement vorhanden. Das ist vergleichbar. Der Unterschied ist: Wir hatten ein konkretes Projekt und wir waren um die 40 Jahre alt und somit etwas erfahrener. Dass eine Schülerbewegung es aber schafft, eine Bundesratspartei in ihrer Klimapolitik zum Umdenken zu bewegen, das finde ich spektakulär. Ich glaube, das hätten wir nicht geschafft.

Das Gespräch führte Sara Hauschild.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    "Der Alpenschutz-Artikel hatte enorme Auswirkungen auf die schweizerische Verkehrspolitik". Lebt Hämmerle jetzt auf einer abgeschiedenen Alp? Jedenfalls sieht die Realität heute doch ganz anders aus. Jedenfalls fräsen nach wie vor EU-40-Tönner (bestückt mit Kartoffeln, die sie dann als Chips wieder zurückbringen nach Italien zB) in Rekordanzahl durch den Gotthard, von den immer grösser werdenden Feiertagsstaus ganz zu schweigen.
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    1. Antwort von Urs Bernhardsgrütter (UrsBhg)
      Ja und Nein. Natürlich fahren immer noch fast eine Million LKW von Grenze zu Grenze, die es eigentlich gemäss Verfassung nicht mehr dürften. Aber ohne die Alpeninitiaitve wären es 50% mehr. Aber die Politiker von CVP, und vorallem von FDP und SVP haben dafür gesorgt, dass der Volkswillen 25 Jahre lang nicht umgesetzt wurde! Darum: Wir brauchen ein neues Parlament!
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  • Kommentar von Jana Vilim (Jana Vilim)
    Seit 2001 können in der Schweiz Nutzfahrzeuge mit 40 t Gesamtgewicht verkehren. Mit dem Landverkehrsab-kommen Schweiz – EU aus dem Jahr 1999 verpflichtete sich die Schweiz, die höchstzulässige Gewichtslimite von 28 t schrittweise auf 40 t zu erhöhen. Seit dem 1. Januar 2005 dürfen in der Schweiz die Nutzfahrzeuge mit 40 t Gesamtgewicht in unbeschränkter Anzahl zirkulieren. Noch gibt es sie nicht in der Schweiz, die 60t-Fahrzeuge. Dabei seien Gigaliner Dreckschleudern par excellence.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich hätte dann noch gerne geklärt, wie sich Andrea Hämmerle zur Verwüstung der Alpenlandschaft mit Windindustrieanlagen äussert. Zumal diese ja nicht gerade viel bringen (siehe Griess, siehe Andermatt) aber die Alpenlandschaft und die Fauna massiv beeinträchtigen. Alte Alpeninitiativler wie Bodenmann, Burgener machen mit dem WWF und den Grünen (Regula Rytz) gemeinsame Sache und tragen massiv zur Verschandelung der Alpen bei.
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    1. Antwort von Richard Limahcer (Limi)
      Wollen Sie 1 Million Lastwagenfahrten mit deren giftigen Abgase gegen die paar Windkraftanlagen ausspielen?
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    2. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Ihr Beitrag hat nix mit der Alpeninitiative zu tun.
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    3. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Nun ja, vor 100 Jahren wurden die neuen Staudämme in den Alpen vielfach als "Verwüstung" empfunden. Heute sind Bauten wie die Grimsel-Mauern ein akzeptierter Teil der Kulturlandschaft, stehen teils unter Denkmalschutz, wir schätzen diese Werke und sind stolz darauf. So ändern sich die Zeiten - bei kluger Standortwahl und -beschränkung für Windräder wird sich dies wiederholen.
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    4. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Bauert: Oh doch: Würde der Alpenschutzartikel wie von der Alpeninitiative gefordert, dürften keine Windindustrieanlagen mehr aufgestellt werden. Das Links-Grüne Paradoxon, auf welches man hier trifft gilt auch für den Klimaschutz: Die künstlichen Staus verursachen 10x mehr Klimagase, sprich 2 Mio. LKW würden 3x weniger Klimsgase verursachen... (und: wenn man keine ausländischen Transit-LKW will, dann muss man gegen die EU sein... ist Links-Grün ja nicht...)
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    5. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Koller: siehe Stiftung Greina.... alles andere als vor 100 Jahren. PS: Derweil Wasserkraft brauchbaren Strom erzeugt, wird Schweizer Windstrom umgehend wieder vernichtet..... weil nicht brauchbar.
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    6. Antwort von Haller Hans (H.Haller)
      Herr Limacher, die Frag sei wirklich erlaubt. Wie stellt sich der Alpenschutz zu den Windpark-Anlagen wirklich ? Und wahrlich, der Naturschutz hat ja schon kürzlich beim Gotthardprojekt den kürzeren gezogen, was mich gar nicht überrascht hat. Selbst Hr. Hämmerli vermeidet es offensichtlich da Geister zu wecken, die ihm wahrlich gefährlich werden können. (PS: jemand der diese Hintergründe kennengelernt hat!)
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