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40 Schafe gerissen Kein Wolfs-Abschuss bei Splügen

DNA-Proben haben bestätigt, dass der Wolf die Schafe auf der Alp Stutz bei Splügen gerissen hat. Die Herde mit 800 Schafen war nicht vor Wölfen geschützt.

Legende: Audio Herdenschutz auf der Stutzalp ist umstritten abspielen. Laufzeit 04:40 Minuten.
04:40 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 12.09.2018.

Bekannt wurden die 40 Schafsrisse auf der Alp Stutz vor knapp drei Wochen wegen eines Leserbriefs in der Zeitung Südostschweiz. «Das Ergebnis der DNA-Proben bestätigt, dass es sich um Wolfsrisse handelt». Das sagt auf Anfrage des «Regionaljournals Graubünden» von Radio SRF der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint.

Unklar sei noch, ob es sich um einen oder mehrere Wölfe handle. Hier laufen die Auswertungen. Aber, so Arquint: «Wir haben den Verdacht, dass es sich um ein Einzeltier handelt.»

Wolfsabschuss kein Thema

Die Schafe wurden über mehrere Wochen gerissen, das zeigt eine Chronologie des Amts für Jagd und Fischerei. «Wir hatten drei Risse und meldeten diese» , sagt auf Anfrage Schafbesitzer und Alpbestösser Michael Fässler. Dann sei es mehr als drei Wochen ruhig geblieben, «und dann wurden 30 Tiere innert sechs Tagen gerissen».

Mehrere Leserbriefe in den Bündner Tageszeitungen übten Kritik. Gegner des Wolfes forderten einen Abschuss. Das komme in diesem Fall nicht in Frage, sagt der Bündner Jagdinspektor. In Gebieten, in welchen man mit Wölfen rechnen müsse, sei ein Abschuss nur möglich, wenn die Herde «mit zumutbaren Massnahmen» geschützt worden sei.

«Angerechnet werden nur die Anzahl Risse, wenn Herdenschutzmassnahmen getroffen wurden», sagt Arquint. Ein Wolfsabschuss sei dann möglich, wenn 25 Tiere innerhalb eines Monats gerissen würden.

Herdenschutz mit Verspätung

Bereits im Frühjahr war bekannt, dass im Rheinwald ein Wolf unterwegs ist. Die Schafsherde auf der Alp Stutz wurde nicht zusätzlich geschützt, sondern behirtet. Der Wolf sei jedoch noch nie auf der Alp Stutz beobachtet worden, heisst es dazu beim Kanton. Die Verantwortlichen der Alp seien korrekt vorgegangen, ist Arquint überzeugt. «Sie haben reagiert, als sie den Verdacht hatten, dass es Wolfsrisse sind».

Schafbesitzer Michael Fässler sagt zur Frage, wieso er nicht bereits in früheren Jahren Herdenschutzmassnahmen ergriffen hatte: «Wir sind jetzt das siebte Jahr auf dieser Alp und hatten bisher nie Probleme mit dem Wolf».

Wir sind jetzt das siebte Jahr auf dieser Alp und hatten bisher nie Probleme mit dem Wolf.
Autor: Michael FässlerSchafbesitzer

Seit dem 23. August – und damit ein Monat nach den ersten Rissen – wird laut dem Amt für Jagd und Fischerei die Herde geschützt, über Nacht eingepfercht und weiter unten geweidet. Das funktionierte, bis der Hirt entschied, wieder die oberen Weiden zu brauchen, die keine Nachtkoppel haben. Wieder kam der Wolf, Michael Fässler meldete nochmals über zehn tote Schafe.

Früherer Hirt widerspricht

Das Zwischenfazit des Schafbesitzers: Die Stutzalp sei so steil, dass es teilweise unmöglich sei, Herdenschutzmassnahmen umzusetzen.

Dem widerspricht Peter Lüthi. Der frühere Verantwortliche für ein Herdenschutzprojekt des WWF war 2015 selber Hirt auf der Alp Stutz und bezeichnet sich mit über 20 Alpsommern als erfahrenen Hirten.

«Die Alp Stutz ist sehr anspruchsvoll», sagt Lüthi. Herdenschutz sei jedoch auch dort grundsätzlich möglich. «Doch sowohl Treibhunde wie Schafe müssen sich daran gewöhnen.» Das brauche Zeit und Übung.

Diesen Herbst will Schafbesitzer und Alpbestösser Michael Fässler über die Bücher und die Optionen prüfen, unter anderem, ob Herdenschutzhunde eine Möglichkeit wären. Ein Thema sei auch, die Alp Stutz aufzugeben.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 12:03; habs

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Elisabeth Hasler (hasler)
    Das Grossraubtierthema artet immer mehr in einen Glaubenskrieg aus und spaltet zunehmend die Bevölkerung. Wahrscheinlich geht diese Spaltung weiter und wird auch politisch die Balance verschieben, was nicht unbedingt wünschbar ist. Die Menschen in den direktbetroffenen Berggebieten mit ihrer eh schon erschwerten Existenzbasis sind nicht der Mülleimer der Nation, sondern gleichberechtigte SchweizerInnen, die sich keine rechtsungleichen Umstände aufzwingen lassen müssen, welche andere nicht haben.
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  • Kommentar von Elisabeth Hasler (hasler)
    Ich lebe in der Stadt Zürich, verfolge mit meinem post also keine persönlichen Interessen. Als Schweizerin und Stimmberechtigte fordere ich in der Grossraubtierfrage aber endlich eine Volksabstimmung und weniger diktatorischen Zwang. Es kann nicht sein, dass wir über jedwelche Peanuts zur Urne gerufen werden, hierzu aber nichts zu sagen haben. Die Frage ritzt mehrere Verfassungsrechte (Gleichheitsrechte, Recht auf freie Berufsausübung, Recht auf Eigentum, Recht auf Wohnsitznahme usf).
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  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Es ist wichtig dass unsere Berhweiden genutzt werden. Vor allem für abgelegene Weiden ist das wichtig. Wen, wegen den Wölfen, die Bauern das nicht mehr tun gibt das Ökologische Schaden. Die unter anderem auch die Talbewoner gefährdet könnte
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    1. Antwort von Christoph Walser (ch.w)
      Erklären sie mal den "Ökologischen Schaden" von ungenutzten Weiden? Da gibt es aus meiner Sicht hauptsächlich einen Wirtschaftlichen sowie einen Kulturellen Schaden.
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    2. Antwort von Elisabeth Hasler (hasler)
      @ Christoph Walser: Der ökologische Schaden besteht bekannterweise darin, dass nicht mehr gepflegte und vergandende Alpweiden einwachsen und verbuschen, ergo in nicht einmal einem Jahrzehnt die Biodiversität dort rapide absinkt. Ist wissenschaftlich bewiesen. Ich bin eine Verfechterin der traditionellen Kulturlandschaft mit variantenreicher Bewirtschaftung auf möglichst allen Landschaftsstufen, damit wir diesen Reichtum in der CH erhalten können.
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