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Architektur in der Alpenstadt «Das Atemberaubende ist die mehrfache Erfindung von Davos»

Legende: Audio Davos, mehr als Flachdächer. Köbi Gantenbein im Gespräch abspielen. Laufzeit 08:47 Minuten.
08:47 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 04.02.2019.

Ein Friedhof mitten im Wald, Flachdächer wegen des Schnees, aber auch mächtige Sanatoriumsbauten. Davos, eine der grösseren Städte des Alpengebiets mit über 11’000 Einwohnern ist architektonisch gesehen ein Sammelsurium.

Der neue Architekturführer «Bauen in Davos» porträtiert nun die Alpenstadt anhand von 50 Bauten – von der Lawinenverbauung über Shoppingcenter bis zu den Kirchen. Autoren sind Köbi Gantenbein, Chefredaktor von «Hochparterre», zusammen mit den beiden Davoser Architekten Jürg Grassl und Philipp Wilhelm.

Köbi Gantenbein

Köbi Gantenbein

Chefredaktor Hochparterre

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Köbi Gantenbein ist in Samedan geboren, in Malans aufgewachsen und lebt nun in Zürich und Fläsch. Der 63-Jährige hat als Journalist bei der Bündner Zeitung und beim damaligen Schweizer Radio DRS gearbeitet und Soziologie an der Universität Zürich studiert. Seit 1988 arbeitet er für Hochparterre, einer Zeitschrift für Architektur und Design, und ist dort seit 1996 Chefredaktor.

SRF News: Der neue Architekturführer handelt von Davos. Wieso ausgerechnet Davos?

Köbi Gantenbein: Davos ist in seiner heutigen Form ein faszinierender Ort. Davos ist eine der grössten Städte im Alpengebiet und hat eine eindrückliche Geschichte. Vor 150 Jahren war der Ort ein grösseres Walserdorf. Seither hat sich der Ort mehrmals neu erfunden: Tuberkulosezeit, Tourismus, Kongress, Wissenschaft. Eine solche Vielfalt gibt eine babylonische Fröhlichkeit.

Der Begriff der Architektur ist weit gefasst: Vom Brunnen über die Lawinenverbauung, Ställe, Sanatorien bis zu Hotels. Nach welchen Kriterien haben Sie die 50 porträtierten Bauten ausgewählt?

Ein Kriterium war die lange Geschichte. Es beginnt bei den Ställen in Monstein und hört auf bei den Bauten an der Promenade.

Eine Entdeckung waren für mich die Häuser im Dählenwald bei Davos Wolfgang.

Zweites Kriterium waren architektonische Qualitäten, von der Ästhetik über den Erfindergeist bis zu bautechnischen Elementen.

Gibt es einen Bau, der Sie persönlich überrascht hat?

Eine Entdeckung waren für mich die Häuser im Dählenwald bei Davos Wolfgang. In diesem Wald befinden sich einzelne Einfamilienhäuser, die ähnlich gedacht aber unterschiedlich von verschiedenen Architekten in den 1950 und 1960er-Jahren umgesetzt wurden. Die Architekten fanden Lösungen für heitere, weltoffene, von viel Fantasie strahlende Häuser.

In Ihrem Architekturführer fehlt einer der prominenten Bauten der letzten Jahre, das Hotel Intercontinental, im Volksmund auch «Goldenes Ei» genannt. Wieso?

Wir mussten eine Auswahl treffen und da können nicht alle mitmachen. Das «Goldene Ei» ist ein lauter, grosser Bau. Er steht da, trommelt wacker und macht Krach. Aber dieses Hotel könnte auch in Dubai oder am Rand von Zürich stehen. Das «Goldene Ei» geht nicht auf den Ort ein. Das steht einfach da, ist keine architektonische Erfindung, keine landschaftliche Bereicherung, es ist nur laut. Und alle kennen es, weil dort die Weltregierungen während des Weltwirtschaftsforums wohnen.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

«Bauen in Davos, ein Führer zu historischer und zeitgenössischer Architektur». Zürich 2019.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs

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