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Ein Entwässerungsstollen wäre eine Möglichkeit, den Rutsch zu stoppen
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 22.11.2019.
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Bewegtes Brienz Das rutschende Dorf erhält Hilfe

Die Bündner Regierung hat die Situation im Bergdorf Brienz zur «Besonderen Lage» erklärt und verspricht Unterstützung.

Das Bündner Bergdorf Brienz rutscht seit über 100 Jahren talwärts. Seit einigen Jahren hat die Rutschgeschwindigkeit zugenommen; mittlerweile rutscht das Dorf einen Meter pro Jahr. Nun hat sich der Kanton Graubünden eingeschaltet und Hilfe in Aussicht gestellt.

Über die neusten Entwicklungen im Terrassendorf im Albulatal wurde die Bevölkerung am Donnerstagabend von den Behörden aus der Gemeinde und seitens des Kantons informiert. Die Kantonsregierung habe die Situation in Brienz zur «Besonderen Lage» erklärt, teilte die Gemeinde Albula mit. Die Regierung habe auf ein Hilfegesuch reagiert und umfangreiche personelle und finanzielle Mittel freigegeben.

«Die Gemeinde kann eine solche Situation alleine nicht bewältigen», sagt der Bündner Regierungsrat Peter Peyer. Für eine Evakuierung der Siedlungen seien umfassende Planungen und Übungen durchgeführt worden. Sollten Gebäude der Rutschung zum Opfer fallen, sollen Totalschäden künftig durch die Gebäudeversicherung gedeckt werden. Eine entsprechende Gesetzesänderung komme noch im Dezember vor den Grossen Rat.

Gefährdung leicht gestiegen

Die Brienzer Bevölkerung wurde auch über neu gewonnene Erkenntnisse informiert. So zeige der seit Sommer eingesetzte Georadar eine Zone, die sich schneller bewegt, als bisher bekannt war. Der Bereich liege oberhalb von Brienz und habe ein Volumen von 500’000 Kubikmeter. Spezialisten hätten zudem ein zweites, schnell rutschendes Volumen von bis zu 170’000 Kubikmeter oberhalb der Siedlung Vazerol entdeckt.

Wir haben ein sehr gutes Überwachungssystem und es besteht eine genügend grosse Vorlaufzeit für eine allfällige Evakuierung.
Autor: Daniel AlbertinGemeindepräsident von Brienz

Beide Volumen seien stark zerklüftet. Es wird laut Behördenangaben erwartet, dass sie stückweise abbrechen, die darunter liegenden Dörfer aber nicht erreichen. Die Gefährdung von Brienz und Vazerol sei dennoch leicht gestiegen. Dass die Leute weiterhin im Dorf bleiben, sei zu verantworten, sagt der Brienzer Gemeindepräsident Daniel Albertin: «Wir haben ein sehr gutes Überwachungssystem und es besteht eine genügend grosse Vorlaufzeit für eine allfällige Evakuierung.»

Überwachungsmassnahmen

Zur Erforschung des Untergrundes und der Ursachen für die Rutschung wurden rund um Brienz bisher sechs Kernbohrungen abgeschlossen und eine ist noch im Gang. Die Bohrungen zeigen, dass die rutschende Masse zwischen 25 und 150 Meter tief reicht. Die Untersuchungen erlauben es, die Grösse und Zusammensetzung der rutschenden Masse genauer zu quantifizieren und Hinweise dafür zu erhalten, wie die Rutschung dereinst technisch saniert werden könnte.

Ein wesentlicher Faktor für die Rutschung ist Wasser, welches sich im gesamten System bewegt. Dieses Thema wird intensiv untersucht. Eine weitere Bohrung, welche noch diesen Winter durchgeführt wird, dient dazu, Wasservorkommen zu untersuchen.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Muss jedes Bergtal optimal erschlossen und entwickelt werden?

    Bei den hohen Subventionen, welche die Bergkantone beziehen, darf man schon fragen, ob wirklich jedes Bergtal und jedes Bergdorf erhalten werden soll. Die Bergkantone sollten sich einmal konzeptionell Gedanken machen, welche Täler und Dörfer über eine geordnete Abwanderung „passiv saniert“ werden könnten.
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