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Legende: Audio Der Streit zwischen dem Bistum und der Landeskirche abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
Aus Regionaljournal Graubünden vom 21.02.2019.
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Bistum Chur «Der Streit hat eine neue Eskalationsstufe erreicht»

Wer hat das Sagen bei den Bündner Katholikinnen und Katholiken? Über diese Frage streiten sich das Bistum Chur und die Bündner Landeskirche seit Jahren. Nun hat der Machtkampf eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Konkret geht es um die Stiftung Adebar. Die Bündner Landeskirche wollte diesen Verein finanziell unterstützen. Das Bistum war dagegen. Und zwar, weil Abtreibung und Verhütung mit dem römisch-katholischen Glauben im Widerspruch stünden.

Bundesgericht hat Landeskirche recht gegeben

Ende Januar hat nun das Bundesgericht der Landeskirche recht gegeben. Das will das Bistum aber nicht auf sich sitzen lassen und hat den apostolischen Stuhl, also die Verwaltung des Papstes, über den Fall informiert. Das schreiben zwei Zeitungen aus dem AZ Verlag – und das Bistum hat dies gegenüber Radio SRF bestätigt.

Nicole Freudiger von der SRF-Religionsredaktion hat sich mit dem Fall auseinandergesetzt. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Nicole Freudiger

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Nicole Freudiger ist Religionsredaktorin bei SRF Kultur. Zuvor war sie Redaktorin beim Regionaljournal Zürich Schaffhausen.

SRF News: Es geht um einen Streit zwischen dem Bistum und der Landeskirche. Können Sie zuerst den Unterschied zwischen den beiden Kirchen erklären?

Nicole Freudiger: Ja, das kann tatsächlich etwas verwirrend sein. Es gibt in der Schweiz einerseits die Bistümer. Sie sind zuständig für das Pastorale, also für Glaubensfragen und für die Seelsorge. Andererseits gibt es die römisch-katholischen Landeskirchen.

Diese Landeskirchen waren ursprünglich ein Verwaltungskonstrukt. Die Kantone haben die hierarchisch organisierten Bistümer nicht anerkannt. Die Katholiken mussten eine demokratische Organisation schaffen und haben dafür das Modell der Landeskirchen von den Reformierten übernommen.

Die römisch-katholischen Landeskirchen orientieren sich an den Kantonsgrenzen und sind zuständig für die Finanzen. Sie haben ein Kirchenparlament und einen Kirchenrat. Weil sie von den Kantonen anerkannt sind, erhalten sie auch die Steuereinnahmen, die die Kantone für die Kirche eintreiben.

Und diese Landeskirche ist dem Bischof von Chur ein Dorn im Auge. Indem er den «Fall Adebar» nach Rom zieht, will er den Papst dazu bewegen, öffentlich zu sagen, was er von diesen Strukturen hält.

Genau, das Bistum will die Landeskirche und das Bundesgericht ausbremsen. Ende Januar hatte das Bundesgericht nämlich der Bündner Landeskirche recht gegeben. Die Landeskirche darf die Stiftung Adebar unterstützen. Sie unterstützt auch Frauen, die abtreiben wollen. Das will das Bistum nicht auf sich sitzen lassen. Es hat den apostolischen Stuhl, also die Verwaltung des Papstes, über den Fall informiert.

Was bedeutet dieser Schritt genau?

Es ist meiner Meinung nach eine neue Eskalationsstufe zwischen dem Bistum und der römisch-katholischen Landeskirche. Der Streit ist schon alt, aber dass das Bistum nun zum Papst geht, damit dieser die Zusammenarbeit mit den Landeskirchen aufkündigt, das ist starker Tobak.

Die Hoffnung ist gross, dass ein neuer Bischof den Konflikt deeskalieren kann.
Autor: Nicole FreudigerReligionsredaktorin SRF

Was passiert denn, wenn Rom tatsächlich zum Schluss kommt, dass die Landeskirchen eben nicht mehr tragbar seien?

Rein theoretisch könnte Rom den Bischöfen verbieten, dass sie mit den Landeskirchen zusammenarbeiten. Aber ich halte das für wenig wahrscheinlich. Denn das Bistum Chur steht mit seiner Position ziemlich alleine da. In anderen Kantonen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Bistum und Landeskirche ohne Probleme. Kommt hinzu, dass das Bistum Chur demnächst einen neuen Bischof erhält. Und die Hoffnung ist gross, dass ein neuer Bischof den Konflikt deeskalieren kann.

Im April soll in Chur ein neuer Bischof gewählt werden, wie gross ist die Chance, dass sich etwas ändert beim Streit?

Viele hoffen, dass der neue Bischof gemässigter sein wird, dass er deeskalierend wirkt in dieser seit Jahren verfahrenen Situation. Aber das sind eben Hoffnungen. Was für ein Bischof gewählt wird, ist völlig offen. Wenn ein gemässigter Bischof kommt, wird die Diskussion um Landeskirche und Bistum schnell vom Tisch sein. Wenn ein Konservativer übernimmt, wird sich der Papst allenfalls doch mit der Bündner Landeskirche befassen.

Das Gespräch führte Sara Hauschild

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Ja, das haben wir nun von der Verfassungsanpassung vor ein paar Jahren. Den katholischen Verein hätte man nie von der kurzen Leine lassen dürfen.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Kirche und Macht... Macht ueber Menschen und Macht ueber Besitz.. das war es ist es und wird immer so sein.. weil gewisse Menschen wollen das andere Menschen das tun was diese gewissen Menschen verlangen..
    Religion/Kirche..nein
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  • Kommentar von Roland Gadient  (Roland Gadient)
    Mit einen einem neuen Bischof löst man das Problem nicht, ist Wunschdenken, ich kann nur wiederholen wir haben nicht ein Bischofsproblem sondern ein Bistumsproblem. Wird ein meuer Bischof ernannt haben wir in 2 Jahren das ganze Theater wieder. Das Eingachste wäre, wenn die Kantone UR/OW/NW/ZH ihre Mitgleidschaft gegenüber Chur kündigen würden (haben kein Konkordatsvertrag mit Chur), dann müsste das Problem gelöst werden, mit Bern und dem Vatikan zusammen.
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