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Bündner Geschichte Ulrich Campell neu übersetzt

Florian Hitz
Legende: Florian Hitz hat das Standard-Werk «Das Alpine Rätien» von Ulrich Campell von A bis Z übersetzt. SRF

Das Werk «Die topografische Beschreibung des alpinen Rätiens» ist 1573 entstanden und gilt bis heute noch als wichtige Quelle für die Bündner Geschichte. Geschrieben wurde es von Ulrich Campell. Der Reformator und Humanist gilt als Begründer der Bünder Geschichtsschreibung. Seine auf Latein verfasste Arbeit wurde nun zum ersten Mal integral ins Deutsche übersetzt. Verantworlich für die Übersetzung ist der Historiker Florian Hitz vom Institut für Kulturforschung Graubünden.

SRF News: Ulrich Campell gilt als Vater der Bündner Geschichtsschreibung, was machte er, was vor ihm noch keiner tat?

Florian Hitz: Eine geografische Darstellung der Drei Bünde hat es vor ihm noch nicht gegeben. Er beschreibt in seinem Werk den Naturraum und schildert Land und Leute. Beide Aspekte waren vor ihm nicht vorhanden. Es gab auch keine historische Darstellung mit einer gewissen Ausführlichkeit vor ihm. Es gar nur rudimentäre Listen historischer Ereignisse aber keine zusammenhängende Geschichtserzählung, auch da war er der Erste.

Ausschnitt Manuskript
Legende: Ausschnitt aus Campells Manuskript: 650 engbeschriebene Seiten mussten übersetzt werden. Institut für Kulturforschung GR

Wie kommt das Werk daher?

Seine Absicht war es sicher, eine trockene, neutale und objektive Abhandlung zu liefern. Die Täler der Drei Bünde wurden in einer gewissen Reihenfolge geschildert, die Täler wurden dem Talfluss entlang beschrieben, da ist er systematisch vorgegangen. Manchmal aber gerät er ins Erzählen, liefert Anekdoten. Er berichtet beispielsweise von bösen Vögten, die von der Bevölkerung vertrieben wurden. Solche Geschichten gehören heute zum Sagengut, das verdanken wir ihm. Ab und zu gerät er auch ins Predigen. Wenn er ein geistliches Anligen hat, fängt er an einen Sermon zu halten bis er es merkt und schliesslich abbricht und mit einem Amen zum Ende kommt.

Trotz oder gerade wegen dieser Beschreibungen gilt das Werk auch heute noch als wichtige Quelle für Historiker.

Dem Inhalt nach ist der Text sehr bekannt. Es ist ja nicht die erste Ausgabe, die wir machen. Wir machen aber die erste Integralausgabe, die sich an den Originaltext hält. Bisherige Ausgaben haben sich nur auf spätere Abschriften bezogen. Frühere Übersetzungen hatten willkürliche Lücken, das kann man heute, wenn man es wissenschaftlich aufarbeitet, nicht mehr machen.

650 engbeschriebene Latein-Seiten, damit haben sie sich in den letzten Jahren befasst, was war die Schwierigkeit bei der Übersetzung?

Die Transkription des Manuskripts war schwierig, weil es so viele Korrekturen, Ergänzungen und Streichungen darin hat. In einer modernen Edition muss das alles benannt und kenntlich gemacht werden. Wo hatte er gestrichen, was hatte er gestrichen? Vieles wurde überkritzelt, nur mit Mühe kann man noch lesen was ursprünglich da stand. Weiter war die Übersetzung recht schwierig. Campell pflegte einen sehr komplizierten Schreibstil. Er nutzte die Möglichkeiten des Latein voll aus. Manchmal geht ein Satz über eine halbe Seite oder mehr.

Das will man einem heutigen Leser nicht zumuten?

Würde man 1:1 übersetzen, wäre der Text auf Deutsch ungeniessbar. Da mussten wir dem heutigen Leser so weit es ging entgegenkommen. Wir mussten das Dickicht von Campells Sätzen entflechten.

Das Gespräch führte: Silvio Liechti

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