Wahlen Ilanz/Glion Carmelia Maissen: «Wir müssen erhalten, was wir haben»

Sie war die einzige offizielle Kandidatin für das freiwerdende Präsidium der Gemeinde Ilanz. Carmelia Maissen wurde gestern gewählt. Heute sagt sie, wohin sie mit der Gemeinde will und warum sie damit rechnet, dass eine Steruerhöhung bald wieder zum Thema wird.

Carmelia Maissen - Porträt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Carmelia Maissen tritt ihr Amt 2018 an. zvg

Carmelia Maissen Ilanz/Glion, die neue Gemeinde ist immer noch im Aufbau. Was werden Sie unternehmen, damit die Fraktionen rund um Ilanz keine Schlafdörfer werden?

Diese Frage müssen wir vertiefen. Es ist die klassische Stadt-Land-Diskussion im Kleinen. Da ist ein Zentrum mit einer gewissen Attraktivität und Sogwirkung, demgegenüber stehen die kleineren Einheiten, welche mit Abwanderung und Ausdünnung konfrontiert sind. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Heute können wir das besser erreichen als früher. Heute sind wir gemeinsam unterwegs, früher kämpfte jede Gemeinde für sich alleine.

Was kann das konkret bedeuten? Was kann man tun, damit die Leute nicht abwandern aus den Fraktionen?

Einiges erreichen kann man zum Beispiel mit neuen Wohnformen. Gerade als Architektin bin ich mir nicht sicher, ob das klassische Einfamilienhaus immer das richtige Modell ist. Wir müssen beispielsweise auch über Genossenschaftswohnungen nachdenken. Aber man muss auch realistisch sein. Wir leben in einer Randregion, wir können hier nicht beliebig Menschen anziehen und neue Arbeitsplätze schaffen. Vielmehr geht es darum zu erhalten, was da ist. Wir müssen den Menschen, die hier sind, ein gutes Leben ermöglichen.

Die neue Gemeinde Ilanz/Glion ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, Werden Sie eine «Spar-Gemeindepräsidentin»?

Das Problem besteht ja schon seit vier Jahren. Und man kann auch nicht erwarten, dass mit der Fusion von 13 eher armen Gemeinden plötzlich eine neureiche Gemeinde entsteht. Letztes Jahr wurde im Parlament ein Antrag für eine Steuererhöhung von 100 auf 110 Prozent abgelehnt. Ich rechne aber damit, dass dieses Thema sicher bald wieder aufs Tapet kommen wird.

Mit Glanzresultat gewählt

976 Einwohnerinnen und Einwohner haben Carmelia Maissen ihre Stimme
gegeben. Das absolute Mehr lag bei 489 Stimmen. Die 40-jährige CVP
Politikerin tritt ihr Amt Anfang 2018 an.Carmelia Maissen ersetzt
Aurelio Casanova an der Spitze von Ilanz/Glion, der Ende Jahr
altershalber aus dem Amt scheidet. Carmelia Maissen ist Architektin, sie
war erste Präsidentin des Gemeindeparlaments der fusionierten Gemeinde
Ilanz/Glion.