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«Ich wollte immer mal in den Bergen leben»
Aus Regionaljournal Graubünden vom 14.10.2019.
abspielen. Laufzeit 09:51 Minuten.
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Der neue Nationalpark-Direktor «Mein Steckenpferd sind alte Karten»

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Ja, auch der neue Nationalparkdirektor heisst Haller, Ruedi Haller. Der frühere Direktor war Heinrich Haller. Beide kommen aus dem Aargau, sind aber nicht miteinander verwandt.

Da Ruedi Haller als langjähriger Mitarbeiter den Nationalpark und seine Organisation bereits sehr gut kennt, lassen wir die übliche 100-tägige «Schonfrist» beiseite und führen das Interview zum Amtsantritt bereits jetzt.

Ruedi Haller

Ruedi Haller

Direktor Schweizerischer Nationalpark

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Seit 1997 arbeitet Ruedi Haller in verschiedenen Positionen beim Schweizerischen Nationalpark (SNP). Zuletzt war er Leiter des Bereichs Forschung und Geoinformation und Mitglied der Geschäftsleitung. Seit Anfang Oktober 2019 ist Ruedi Haller Direktor beim SNP. Er studierte an der Universität Zürich Geografie im Hauptfach und den Nebenfächern Kartographie, Geologie, Mathematik und Mineralogie. Seine Dissertation beschäftigte sich mit dem Management von Geoinformationen. Neben seiner Arbeit findet der dreifache Familienvater beim Biken oder im Bergsport einen Ausgleich.

SRF News: Sie arbeiten seit über 20 Jahren beim Nationalpark, was fasziniert Sie?

Ruedi Haller: Es stimmt, ich arbeite seit 23 Jahren beim Nationalpark. Ich muss gestehen, ich bin ursprünglich nicht wegen des Umweltschutzes zum Nationalpark gekommen. Ich wollte immer mal in den Bergen leben. Als Geograf und damals als Spezialist für Geoinformationssysteme hat mir der Nationalpark diese Chance geboten. Später und heute noch immer fasziniert mich diese extrem innovative Idee aus dem Jahr 1914, ein Stück Natur sich selbst zu überlassen und zu erforschen, was passiert.

An Ihrem Lebenslauf fiel mir auf, dass Sie auch Primar- und Reallehrer sind. Haben Sie unterrichtet?

Ich habe nach der Ausbildung einige Monate Stellvertretungen übernommen. Mit 22 habe ich mir überlegt, ob ich das bis 65 machen möchte. Ich arbeite sehr gerne mit jungen Leuten, kam aber zum Schluss, dass ich noch studieren möchte (Anm.: Haller studierte an der Universität Zürich im Hauptfach Geografie). Ich will nicht nur erzählen, was man weiss, sondern – das war wahrscheinlich der Forscherdrang – ich will auch dazu beitragen, etwas Neues herauszufinden.

Schauen wir nach vorne. Als Direktor können Sie zwei Sachen machen, entweder den Park verwalten oder den Park gestalten, welcher Typ sind Sie?

Ich bin schon eher der Zweite, der Neues gestaltet. Dennoch bin ich mir bewusst, dass ein Nationalpark einige wiederkehrende Aufgaben hat. Im Frühjahr ist die Vorbereitung für die Saison: Alle Unterlagen und das Besucherzentrum muss parat sein und die Zählung der Steinböcke beginnt. Solche Verwaltungsaufgaben müssen sein. Ich bin dann aber der Typ, der sich fragt, was machen wir Neues daraus. Es geht darum, die Grenze des heutigen Wissens zu überschreiten, sei es mit neuen Forschungsfragen, innovativen Methoden oder neuen Vermittlungsmethoden. Das reizt mich am meisten.

Haben Sie ein Beispiel?

Wir haben gerade kürzlich ein Projekt zum Thema ökologische Vernetzung im Alpenraum abgeschlossen. Dabei ging es um die ökologische Infrastruktur, also die Beschreibung aller Elemente, die Tieren und Pflanzen helfen, sich auszubreiten. Mit einer kartographischen Darstellung haben wir festgestellt, dass in gewissen Regionen Verbindungen zwischen den «guten» Gebieten – beispielsweise Pärken – fast nicht mehr möglich sind.

Das hängt damit zusammen, dass die Lebensräume für gewisse Tiere und Pflanzen einfach zu weit auseinanderliegen. Ein Beispiel ist das Berner Seeland. Eine solche Karte stösst eine neue Diskussion an, denn sie zeigt: Es gibt Gebiete, wo heute unklar ist, wie man die Situation verbessern könnte, damit Tiere und Pflanzen sich ausbreiten können.

Ihr Vorgänger Heinrich Haller hatte ein Steckenpferd, die Kolkraben. Haben Sie auch eines?

Ja, mein Steckenpferd sind alte Karten. Es interessiert mich, was eingezeichnet ist und untersuche, ob man noch Spuren davon im Nationalpark findet. Ein Beispiel ist eine alte Siedlung auf Buffalora. Aber ich bin nicht nur in die Berge gekommen, um hier zu leben und Karten zu studieren. Ich bin begeisterter Berggänger und versuche, die Landschaft zu lesen. Mich interessiert, was in der Morphologie abgeht, wie Gewässer und Rutschungen die Landschaft formen. Das fasziniert mich.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

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