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Graubünden Ein Watt d'Or für verblüffende Einfachheit

Keine Solaranlage aufs Dach, sondern das Dach als Solaranlage. Die Idee ist verblüffend einfach – und überzeugte. Das all-in-one Solardach, ein Bündner Projekt, erhielt einen Watt d'Or – den Preis für die besten Energieprojekte in der Schweiz. Der Gründer erklärt seine Vision.

Sie steht in einer kühlen Fabrikhalle – fast ein bisschen verloren, das Herzstück der Firma Designergy: Eine Anlage mit Roboterarm. Sie setzt die verschiedenen Schichten des Solardachs, des nun preisgekrönten Dach-Elements, zusammen.

Die Anlage stellt die knapp zwei Quadratmeter grossen Dachelemente fixfertig her. Kernstück bildet eine Schicht Steinwolle für die Isolation, gefasst von einem Metallrahmen. Abgeschlossen wird das Modul oben von einer begehbaren Glasplatte mit eingelassenen Solarzellen. Wasserdicht, wärmeisoliert und sonnenempfindlich: Dieses Dach soll nicht nur schützen, sondern gleichzeitig auch Strom produzieren.

Firmengründer Daniel Lepori erklärt das Erfolgsrezept seiner Projektidee, die so verblüffend einfach wirkt: «Bei einem Photovoltaik-Panel kann man sagen, ja das will ich oder ich will es nicht. Ein Dach, das muss man haben. Und das ist genau unser Punkt.» Die Photovoltaik kommt also nicht aufs Dach, sondern das Dach sorgt für Photovoltaik.

Bewaffnet mit Businessplan und Prototyp

Die Idee kam Daniel Lepori vor sechs Jahren. Der Tessiner Werkstoff-Ingenieur ärgerte sich über die – aus seiner Sicht – zu hohen Kosten für Dach-Solaranlagen – und er sah eine Marktlücke. Bewaffnet mit Businessplan und Prototyp überzeugte der heute 37-jährige Investoren und sammelte mehrere Millionen Franken.

Ausgezeichnet wird die Misoxer Firma mit Sitz in San Vittore nun für ihr Pilotprojekt auf dem Dach eines nahegelegenen Fabrikgebäudes. 800 Quadratmeter auf der Südseite sind dort mit den neuartigen Dachmodulen bedeckt. Eine Viertelmillion Franken hat das Projekt laut Firmenchef gekostet.

Bei einem Photovoltaik-Panel kann man sagen, ja das will ich oder ich will es nicht. Ein Dach, das muss man haben.
Autor: Daniel LeporiGründer der Firma Designergy

Knapp zehn Dächer hat die Firma bisher realisiert. Von Subventionen will Daniel Lepori nichts wissen. Der Unternehmer setzt auf den freien Markt, dort müsse ein Produkt bestehen.

Seine Vision: «Wenn wir es schaffen, dass ein renoviertes oder ein neues Dach soviel kostet wie ein normales Ziegeldach, dann kann die Elektrizität 1,10, 20 Rappen pro Kilowattstunde kosten. Und keinen kümmert das gross.»

Die Stromproduktion soll also dank intelligenter Technik von alleine rentieren. Denn schliesslich bräuchten alle ein Dach über dem Kopf.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 06:32 Uhr

Sieger Schweizer Energiepreis Watt d'Or 2016

Kategorie
Siegerprojekt
Preisträger
GESELLSCHAFTRoadLabGroupe E (FR)
ENERGIETECHNOLOGIENDas SmartGridready GebäudeElektroplan Buchs & Grossen AG und ElektroLink AG (BE)
ERNEUERBARE ENERGIENDas triaktive Dachelement TCRDesignergy SA (GR)
ENERGIEEFFIZIENTE MOBILITÄTGrüne Welle im Bahnverkehr - ADLSBB AG (BE)
GEBÄUDE UND RAUMNeubau Swisscom Businesspark IttigenSwisscom AG und Ernst Basler + Partner (ZH)
SPEZIALPREISE «UNTERNEHMENSSTRATEGIE»Energie- und CO2-Vision: Taten statt WorteCoop-Gruppe (BS)
SPEZIALPREISE «UNTERNEHMENSSTRATEGIE»Generation MMigros (ZH)

9 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Hut ab vor allen Menschen, die die Energiewende praktisch umsetzen u. nicht nur als Worthülse wie ein Mantra vor sich her tragen. Dies gilt vor allem für Politiker des Wirtschaftsflügels SVP/FDP/CVP, die in der Strom- u. Ölwirtschaft sowie in der Bauwirtschaft in den Chefetagen sitzen und gleichzeitig im Parlament aus Eigennutz auf der Bremse für die Energiewende stehen. Seit Jahren kann man lesen, dass zumindest bei allen Neubauten Energiedächer für Strom u. Wärme zum Standard erhoben werden.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Meine Idee seit vielen Jahren ist, dass alle neuen oder renovierten Hausdächer baurechtlich nur noch mit Solarmodulen gedeckt werden dürfen. Dann könnten wir unsere todsicheren Atom Schrottmeiler bald abschalten.
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  • Kommentar von Peter Brenner (Brenner)
    Wirklich eine geniale Geschäftsidee. Allerdings trägt PV nichts zur Versorgungssicherheit bei, solange kein Back-Up mitfinanziert oder kein Speicher für die sonnenlose Zeit (ca.2/3 des Jahres) mitgebaut und mitfinanziert wird. Solarstrom geniesst z. Zt. die Sicherheit des vorhandenen Kraftwerksparks, inkl. ausländischer Kohlekraftwerke, ohne sich an dessen Kosten zu beteiligen, eine Art Lebensversicherung, bei der die Prämien von Dritten bezahlt werden.
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    1. Antwort von Florian Menevis (Florian Menevis)
      Tesla bietet modulare Batterien (Tesla Power Wall) für sehr wenig Geld an. Das Speicherproblem ist de-facto eigentlich bereits gelöst.
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