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Legende: Audio Wenn Fernwärme in Konkurrenz zum städtischen Gasnetz steht abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
04:32 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 28.03.2019.
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Energiestrategie Chur Umweltverbände fordern Fernwärmeleitung nach Domat/Ems

Die Stadt Chur will grüner werden. Sie hat deshalb einen Richtplan für die Energiezukunft ausgearbeitet. Die Umweltverbände kritisieren, die Stadt setze dabei zu sehr auf Gas. Sie fordern eine Fernwärmeleitung zum Holzkraftwerk Axpo Tegra in Domat/Ems.

  • Die Stadt Chur will lokale, erneuerbare Energiequellen besser nutzen, beispielsweise Erdwärme, Solarenergie oder Fernwärme.
  • Ein 75-seitigen Energierichtplan, Link öffnet in einem neuen Fenster listet 26 Massnahmen auf. Die Richtplankarte zeigt, wo welche Wärme-Energie am besten genutzt werden könnte.
  • Der Churer Energierichtplan liegt noch bis Ende März öffentlich auf.

Von den Umweltverbänden WWF und VCS gab es heute in einer Mitteilung zuerst Lob. Chur sei die erste Gemeinde in Graubünden mit einem solchen Energierichtplan. Dieser sei ein wichtiges Instrument für eine klimaverträgliche Energieversorgung.

Doch dann folgte die Kritik: «Die Energiewende im Wärmebereich plant die Stadt Chur leider mit angezogener Handbremse». Das Chur weiter auf Gas setzen will, findet Anita Mazzetta, Geschäftsführerin WWF Graubünden, falsch: «Chur hätte Potential, das im Energierichtplan nicht aufgezeigt wird».

Gas und Öl sind Trumpf in Chur

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Wenn Sie in der Stadt Chur wohnen, dann ist es gut möglich, dass Ihr Haus ans Gasnetz angeschlossen ist. 36 Prozent aller Haushalte deckten 2013 ihren Wärmebedarf für Heizung oder warmes Wasser mit Gas.

Beim Wärmebedarf der gesamten Stadt inklusive Industrie machte Erdgas 2014 sogar 55 Prozent aus, heisst es im Energierichtplan. Auf Platz zwei folgt mit 37 Prozent Heizöl, abgeschlagen die Fernwärme mit fünf Prozent.

Unter dem Strich machten fossile Energiequellen laut dem Energierichtplan im Jahr 2014 über 90 Prozent aus.

Die Umweltverbände fordern eine Fernwärmeleitung zum Holzkraftwerk Axpo Tegra bei Domat/Ems, um dessen überschüssige Energie zu nutzen. Es wäre sinnvoll eine Leitung nach Chur zu bauen, sagt Mazzetta und fordert: «Chur muss hier einen Schritt weitergehen, Geld in die Hand nehmen und die Fernwärme fördern».

Kanton ermunterte die Stadt Chur

Ähnlich hatte sich vor einem Jahr der Kanton geäussert. Er empfahl, die Fernwärmeleitung nach Domat/Ems zur Axpo Tegra in die strategischen Überlegungen zu integrieren, und zwar als eigenes Massnahmenblatt.

Im Energierichtplan wird die Fernwärmeleitung nun auch erwähnt, aber nur am Rand. Statt konkreten Massnahmen gibt es nur die Absichtserklärung; falls jemand eine solche Leitung baue, dann würde Chur ein Quartier damit heizen.

Zum Grund für die knappe Absichtserklärung schreibt auf Anfrage Stadtrat Tom Leibundgut: «Zur Zeit der Erarbeitung des Energierichtplans war die Zukunft der Axpo Tegra unsicher und der Bau der Fernwärmeleitung politisch sehr umstritten.»

Konkurrenz für das Gas-Geschäft?

Was im Energierichtplan auch auffällt: An mehreren Stellen ist die Rede davon, dass die Fernwärme - aber auch andere Energieformen - das städtische Gasnetz konkurrenzieren könnten. Bei der siebenköpfigen Arbeitsgruppe, die den Energierichtplan ausarbeitete, waren zwei Vertreter des städtischen Energieversorgers IBC mit dabei. Gas ist ein wichtiger Teil des IBC-Geschäfts.

Deshalb die Frage: Will die Stadt keine neue Fernwärmeleitung, weil dann der Churer Energieversorger weniger Gas verkaufen könnte?

Stadtrat Leibundgut beantwortet die Frage weder mit Ja noch Nein, weist aber darauf hin, dass das Gasnetz Teil der städtischen Infrastruktur und damit des Volksvermögens sei: «Das mit weiteren Netzen eine Konkurrenz entsteht ist logisch, darum braucht es für einen vernünftigen Umgang mit diesem Volksvermögen eine vorausschauende Planung für jeden Wandel».

Das leiste der neue Energierichtplan, der aufzeige, wo sich Gas durch andere Energiequellen ersetzen lasse.

*Bild: Luftaufnahme des Holzkraftwerks Axpo Tegra bei Domat/Ems.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr

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