«Es ist der Anfang vom Ende»

Das Bündner Kunstmuseum verabschiedet ein Gebäude mit einer Ausstellung. Die Schau «Nationalpark» vom Zürcher Künstlerduo Gerda Steiner und Jörg Lenzligner ist eine Inszenierung mit Naturgewalt.

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Bildlegende: In der Inszenierung «Nationalpark» im Bündner Naturmuseum werden die Besucher aktiv miteinbezogen. zvg

Zehn Jahre haben Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger in der Schweiz keine grösseren Arbeiten realisiert. Und nun Chur: Das Duo nahm ein Nebengebäude der Villa Planta, dem Hauptbau des Museums, in Beschlag. Die Künstler veränderten den Bau, bevor er dem Erdboden gleich gemacht wird und ein Neubau an gleicher Stelle emporwächst.

«Es ist der Anfang vom Ende», sagte Museumsdirektor Stephan Kunz am Donnerstag an der Vorbesichtigung der Exposition gegenüber Radio SRF1. Kunz hätte auch sagen können, es sei das Zurück zu den Wurzeln des Baus, gekoppelt mit einer wilden Rückeroberung durch die Natur.

 Eine phantastische Welt

Tatsächlich steht über dem Eingang des Gebäudes wieder dessen ursprünglicher Zweck geschrieben: «Naturhistorisches und Nationalparkmuseum». Im Innern eröffnet sich Besucherinnen und Besucher eine phantastische Welt. Eine Installation, die, wie es scheint, nie ganz abschliessend entdeckt werden kann.

Der Grund: Diese Ausstellung, die vom 21. Juni, dem kürzesten Tag im Jahr, bis zum 21. Dezember, dem längsten, dauert, verändert sich laufend. Die Pflanzen wachsen, ändern die Farbe oder sterben innerhalb eines halben Jahres ab. Selbst lebendige Tiere sind Teil der Ausstellung: Meerschweinchen und Karpfen.

Die Schau des Bündner Kunstmuseums ist unter mehreren Aspekten aussergewöhnlich. Wasser, Tiere, Pflanzen und frische Luft sind da - alles, was Museen sonst fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Wenn die Natur in den nächsten sechs Monaten ihren Part zur Ausstellung entfaltet, lässt sich bald nicht mehr unterscheiden, was Natur und was Kunst ist, wie Museumsdirektor Kunz sagte.

Im Bärenkonstüm durch die Ausstellung

Was im Schweizerischen Nationalpark im Engadin unter Bussenandrohung zur obersten Pflicht gehört, ist auch in der Ausstellung zu befolgen: immer auf dem Weg bleiben. Auf die Schau in Chur übertragen bedeutet das, auf dem roten Teppich zu bleiben, der wie ein roter Faden durch einen Teil des Ausstellungsgeländes führt.

Ausserdem werden die Besucherinnen und Besucher integriert in die Schau. Im interaktiven Teil müssen sie einen von 99 Gegenständen an sich nehmen oder tragen, um überhaupt in die Ausstellung hinein zu dürfen. Taschenlampe, Lupe, Schirm, Sonnenbrille, Rucksack, Gewehr oder ein Bärenkostüm: Die Zahl der Gegenstände richtet sich nach der Anzahl der Jahre seit der Gründung des Schweizerischen Nationalparks.

Die phantastisch-wundersame, teils verwirrende Welt von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger lässt sich auch von ausserhalb des Gebäudes betrachten und verfolgen. Eigens dafür wurde ein Beobachtungsposten erstellt, von dem aus Gucklöcher Einblicke gewähren.