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Graubünden Giacometti Hype: Nur im Bergell bleibt es ruhig

Der «Zeigende Mann» von Alberto Giacometti hat für 141,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Teurer wurde noch keine Skulptur versteigert. Im Ausland wird Giacomettis Kunst gehypt. In seiner Heimat wird seit Jahren um ein Giacometti-Zentrum gekämpft.

Eine Bronzefigur in einem Museumsraum.
Legende: Wer Giacomettis dünne Bronzefigur «Zeigender Mann» ersteigert hat, bleibt unklar. Keystone

Noch nie wurde bei einer Auktion so viel Geld für eine Skulptur bezahlt: Alberto Giacomettis «Zeigender Mann» erzielte inklusive Kaufprämie rund 141,3 Millionen Dollar – und damit rund 35 Millionen Dollar mehr als die bislang teuerste Plastik, Giacomettis «Schreitender Mann». Sie hatte vor fünf Jahren in London 104,3 Millionen Dollar eingebracht.

In der Heimat bleibt es ruhig

Der Name Alberto Giacometti geht durch diese Auktion einmal mehr um die Welt. Weniger laut geht es in der Heimat des Künstlers zu und her. Seit Jahren möchte das Tal ihren berühmten Namen besser vermarkten. Doch mit einem Giacometti-Zentrum geht es nur langsam vorwärts.

Die Gemeindepräsidentin Anna Giacometti sagt, dies habe unter anderem mit dem Wesen der Bergeller zu tun, und mit der Art, wie der Künstler selber aufgetreten sei: «Alberto Giacometti war sehr bescheiden. Er hat keine grosse Sache um sich und die Kunst gemacht», sagt die Gemeindepräsidentin. Es habe daher auch einige Jahre gedauert, bis die Leute gemerkt hätten, was für ein grosser Künstler Giacometti gewesen sei.

Auch der Präsident der Fondazione Centro Giacometti, Marco Giacometti, sagt gegenüber des «Regionaljournals Graubünden» von Radio SRF, man wolle nicht einfach beim aktuellen Hype mitmachen, sondern im Tal etwas Nachhaltiges realisieren.

Die Rede ist von einem Giacometti-Zentrum in Stampa. «Wir wollen dort nicht auf das Werk von Giacometti setzen, sondern auf das Erlebnis in der Landschaft und auf die Geschichte». Wichtig sei auch, dass man parallel zu Giacometti andere kulturelle Anlässe fördere. Nur so könne man auch die Bevölkerung ins Boot holen, glaubt der Präsident der Giacometti-Stiftung.

Nächster Schritt für Giacometti-Zentrum in Stampa

Für die Bevölkerung geht es in diesem Jahr um die Frage, ob die Gemeinde das zurzeit geschlossene Atelier von Alberto Giacometti, einen Stall und das Museum in Stampa zu einem symbolischen Preis übernehmen soll. Dies würde bedeuten, dass man beispielsweise einen Kurator oder eine Kuratorin anstellen könnte, um so bei der Vermarktung des grossen Künstlers mitzuhelfen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Ich freue mich für den Käufer. Bin zwar kein Giacometti-Fan, aber gönne jedem das, was ihm gefällt. Nur frage ich mich, wie man SO fleissig und sparsam sein kann, dass am Ende weit über 100 Mio. $ zusammen gekommen sind? Toll, wenn man das ohne Lug und Trug, ohne Ausbeutung oder gar Beteiligung an kriminellen Aktivitäten aus eigener Kraft schafft! Denn natürlich kann es nicht stimmen, dass hinter jedem grossen Vermögen auch ein grosses Verbrechen stehen muss! Freuen wir uns also! … oder?
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