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Jagdplanung mit den Nachbarn «Es wäre eine grosse Herausforderung, aber wünschenswert»

5340 Hirsche müssen die Bündner Jäger dieses Jahr schiessen. Eine spezielle Rolle spielen die Wanderhirsche, die erst gegen Ende Jahr im Kanton aufkreuzen. Das Gespräch mit dem Wildtierbiologen Claudio Signer zu Möglichkeiten und Grenzen einer gemeinsamen Jagd- und Abschussplanung mit den Nachbarn.

Legende: Audio Claudio Signer: «Es wäre eine grosse Herausforderung, aber wünschenswert» abspielen. Laufzeit 05:18 Minuten.
05:18 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 27.11.2018.

In fast allen Regionen findet zurzeit die Sonderjagd statt. Etwa im Prättigau, wo im Winterhalbjahr Hirsche aus dem Vorarlberg einwandern. Dennoch wird die Hirschjagd nicht zusammen mit den Jagdbehörden in Österreich geplant. (Siehe «Bündner Abschussplanung endet an der Kantonsgrenze», Link öffnet in einem neuen Fenster vom 26.11.2018).

Claudio Signer ist Wildtierbiologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Wildtiermanagement an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW).

SRF News: Erstaunt es Sie, dass der Kanton Graubünden keine gemeinsame Abschussplanung mit den angrenzenden Kantonen und Ländern hat?

Claudio Signer: Es erstaunt mich nicht. Es müssten sehr viele Partner ins gleiche Boot geholt werden – nicht nur über Landesgrenzen, sondern auch über Sprachgrenzen hinweg. Das wäre eine grosse Herausforderung, aber wünschenswert, wenn die Nachbarländer und -kantone auch ihren Beitrag leisten würden zur Regulation der Rothirsche, die den Winter in Graubünden verbringen.

Sie sagen, das sei wünschenswert. Würde es auch etwas bringen?

Mit der Planung alleine ist es nicht getan. Man muss sie auch umsetzen können. Aber das ist nicht eine jagdplanerische, sondern eine politische Aufgabe. Man muss sich bewusst sein, dass unsere Nachbarländer – teilweise auch die Nachbarkantone – andere Jagdsysteme pflegen. Vermutlich müsste zuerst jemand über diese Jagdsysteme und die unterschiedlichen Jagdkulturen nachdenken. Erst dann wäre es möglich, eine gemeinsame Abschussplanung zu realisieren.

Sie haben sich in der Ostschweiz als Co-Projektleiter mit einem ähnlichen Projekt beschäftigt und haben dort nun eine gemeinsame Abschussplanung. Was war die grösste Herausforderung?

Grundsätzlich sind solche wildtierbiologischen Projekte sehr aufwändig. In der Organisation, in der Durchführung und was Material und Personal angeht. Gerade dieses Projekt – so mein Eindruck – hat die Kommunikation zwischen den Kantonen verbessert.

Die Kantone haben unterschiedliche Jagdsysteme, Revier- und Patentjagd. Das geht also zusammen?

Es geht bedingt zusammen. Die Revierjagd im Kanton St. Gallen kennt viel längere Jagdzeiten, die beiden Appenzeller Kantone pflegen wie Graubünden die Patentjagd, die vergleichsweise kurz dauert. Eine erste gute Harmonisierung hat stattgefunden. Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden haben ihre Jagdzeiten für die Rothirsch-Hochjagd angeglichen. Das ist sicher ein erster grosser Gewinn.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

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