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Das Interview mit Selva-Präsident Leo Thomann
Aus Regionaljournal Graubünden vom 16.01.2020.
abspielen. Laufzeit 07:07 Minuten.
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Kontroverse um Jagd und Wolf «An gewissen Orten ist der Bündner Schutzwald gefährdet»

Selva-Präsident Leo Thomann nimmt Stellung zur Kritik aus Försterkreisen und wieso er das neue Jagdgesetz unterstützt.

«30 Jahre und kein bisschen weiter», unter diesem Titel schlugen im Oktober 16 Förster Alarm. Der Bündner Schutzwald sei in Gefahr, kritisierten sie in einem offenen Brief in der Zeitschrift «Bündner Wald» die Behörden. Wegen der hohen Wildbestände gebe es Probleme bei der Waldverjüngung. «Man hat den Eindruck, man rede an eine Wand», so einer der Förster.

Wie steht es um den Schutzwald, hat es zu viel Wild im Wald und welche Rolle könnte in Zukunft der Wolf spielen? Diese Fragen beschäftigen auch die Selva, den Verband der Bündner Waldeigentümer. Präsident Leo Thomann und Geschäftsführerin Silke Schweizer haben sich in der aktuellen Ausgabe des «Bündner Wald» von den Aussagen der Förster distanziert.

Leo Thomann

Leo Thomann

Präsident der Selva

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Leo Thomann ist Präsident der Selva, dem Verband der Waldeigentümer Graubünden.

Radio SRF: Leo Thomann, wieso distanzieren Sie sich von den Aussagen der Förster?

Leo Thomann: Wir distanzieren uns, weil verschiedene Personen und Ämter direkt angegriffen wurden. Die Selva hat immer versucht, mit allen Beteiligten Lösungen zu suchen und ist überzeugt, dass bereits einiges erreicht wurde. Die Massnahmen, die während der letzten Jagd getroffen wurden, gilt es jetzt zu beurteilen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Bei Ihrer Stellungnahme fällt auf, dass die Selva eigentlich gleicher Meinung ist wie die Förster. Auch sie sprechen von einem Problem bei der Waldverjüngung. Wie gross ist dieses Problem?

Das stimmt, wir beurteilen die Probleme gleich. Wir sehen, dass in gewissen Regionen Probleme mit der Waldverjüngung aufgetreten sind - das ist kein Geheimnis - und dass man besonders die Schutzwälder im Auge behalten muss. Gleichzeitig sind aber die Wald-Wild-Berichte (Anm. beim Kanton) in Überarbeitung und wir sind überzeugt, dass diese Berichte die nötigen Massnahmen aufzeigen werden. Das bedeutet, dass man auf der Wald-Seite aber auch auf der Jagd-Seite gewisse Massnahmen treffen muss.

Ist der Bündner Schutzwald gefährdet?

An gewissen Orten ist das sicher der Fall und ich denke, dass dort das Amt für Jagd und das Amt für Wald und Naturgefahren aufmerksam ist und die Entwicklung fortlaufend beurteilt.

Eine wichtige Zahl in der Diskussion ist der Bestand der Hirsche. Letzten Frühling wurden geschätzte 16’500 Hirsche gezählt. Die Förster haben in ihrem offenen Brief nur 10’000 bis 12’000 gefordert. Was fänden Sie eine gute Zielgrösse für den Bündner Wald?

Wir finden, dass es schwierig ist, eine Zahl festzulegen. Wir fordern, dass die Wildbestände so an den Lebensraum angepasst werden, dass die Verjüngung der Wälder, insbesondere der Schutzwälder, gewährleistet ist.

Hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel wie es punkto Äsungsmöglichkeiten aussieht. Deshalb sollte man keine effektiven Zahlen festlegen.

16’500 Hirsche, sind das zu viele, genau richtig, können noch mehr im Kanton leben, wo stehen Sie vonseiten der Selva?

Wir sind klar der Meinung, dass es in gewissen Gebieten zu hohe Wildbestände hat, die zu reduzieren sind.

Anfangs Woche wurde das Referendum gegen das eidgenössische Jagdgesetz eingereicht. Mit dem neuen Gesetz wäre es möglich, Wölfe präventiv abzuschiessen, bevor sie einen Schaden anrichten. Unterstützt die Selva das Referendum? Mehr Wölfe wären ja im Interesse des Waldes, weil es dann weniger Wild gibt.

Wir unterstützen das Referendum nicht. Wir finden das vorgeschlagene Gesetz gut. Damit kann das Wild gut gemanaged werden. Die Kantone bekommen mehr Kompetenzen, sie können die Situation besser beurteilen als der Bund und letztlich dann auch die Abschüsse beschliessen - natürlich immer aufgrund des Jagdgesetzes. Wenn dies die Kantone entscheiden, ist die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Grossraubtieren grösser.

Der Verband der Schweizer Waldeigentümer, Wald Schweiz, hat im Dezember geschrieben, Wolf und Luchs seien gut für die Waldverjüngung, es gebe einen positiven Zusammenhang. Wie sehen Sie das?

Das kann sein, es kann aber auch Nachteile haben. Wenn zum Beispiel die Wildtiere in einen steilen Schutzwald zurückgedrängt werden, dann sind dort die Schäden grösser, es kann also negative Folgen haben. Wald Schweiz unterstützt das Referendum auch nicht.

Aber sie sagen, es gebe einen positiven Zusammenhang.

Das ist nicht abzustreiten. Wir sind auch der Meinung, dass es positive Auswirkungen haben kann.

Bei dieser Diskussion rund um die Zahl der Wildtiere im Wald spielt auch immer die Jagd hinein. Der Wolf ist ein Konkurrent der Jäger. Im Selva-Vorstand sind mehrere Jäger, darunter Ständerat Stefan Engler oder Kenneth Danuser, Präsident des Bündner Schweisshunde-Clubs. Ist das mit ein Grund, dass Sie das Referendum nicht unterstützen?

Nein. Wir beurteilen in der Selva solche Fragen nicht aus der Sicht der Jägerschaft, sondern aus der Sicht des Waldes und der Waldbesitzer.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

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