Krise und Kurswechsel bei Repower

Nach mehreren schlechten Jahresergebnissen plant der Stromkonzern Repower einen Kurswechsel. Das Unternehmen kehrt unter anderem dem Geschäft in Rumänien und der Börse den Rücken.

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Bildlegende: Repower will sich neu ausrichten und seine Kosten senken. Keystone

Der Bündner Energiekonzern Repower nimmt einen tiefgreifenden Umbau in Angriff. Der Stromhändler und -produzent will die Abhängigkeit vom Strompreis verringern und sich zum Energiedienstleister wandeln. Auch zieht sich das Unternehmen von der Börse zurück.

«Repower muss vom Strompreis unabhängiger werden», sagte CEO Kurt Bobst am Freitag in Landquart zur Strategie 2025. Der Zerfall des Strompreises und der Sinkflug des Euro gegenüber dem Franken hinterliessen tiefe Spuren. Die Marge des Energieunternehmens mit Hauptsitz im südbündnerischen Poschiavo sank in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent.Repower stehe vor einer anspruchsvollen Zeit, sagte Bobst gegenüber dem Regionaljournal Graubünden.

Bobst will Repower zum führenden Energiedienstleister in der Schweiz und in Italien ausbauen, wie er sagte. Der Konzern soll wie bis anhin Strom und Gas liefern, aber diese Lieferungen neu mit einer Dienstleistung verbinden. Angebote für Energiemanagement, Sicherheit oder Effizienz stehen dabei im Vordergrund. Würde Repower seine Strategie nicht ändern, würde dies nicht mehr lange gutgehen, so Bobst.

Verkauf des Rumäniengeschäfts

Wegen der Konzentration auf die Märkte Schweiz und Italien wird ein Verkauf des Geschäfts in Rumänien geprüft. Das Bündner Unternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz des Kantons befindet, evaluiert zur Umsetzung seiner Strategie zudem eine Zusammenarbeit mit Swisspower Energy, einem von 17 Schweizer Stadt- und Gemeindewerken betriebener Energiedienstleister.

Geplant ist, die laufenden Gespräche über die Zusammenarbeit bis Ende des ersten Quartals 2016 abzuschliessen. Unter Dach gebracht werden soll die Neupositionierung von Repower bis Ende nächsten Jahres.

Rückzug von der Börse auf Ende April

Teil der Neuausrichtung ist der Rückzug von der Börse. Die Dekotierung der Repower-Titel wurde bereits genehmigt und erfolgt auf Ende April nächsten Jahres.
Ins Auge gefasst wird neu ein ausserbörslicher Handel mit einer Einheitsaktie anstelle der aktuellen Inhaberaktien und Partizipationsscheinen. Die Generalversammlung wird im Mai nächsten Jahres über die neue Kapitalstruktur entscheiden.

In der Produktion will sich Repower ausschliesslich auf Strom konzentrieren, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Deshalb werden die Veräusserung von Beteiligungen an Kernenergie und der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung am Gas-Kombikraftwerk Teverola in Italien erwogen.

Umsatzwachstum im Auge

Repower rechnet nicht mit einer raschen Erholung der Energiepreise in den nächsten Jahren. Somit sei weiterhin mit tiefen operativen Ergebnissen zu rechnen. Mit der neuen Strategie hofft der Konzern indes auf eine Erholung in einigen Jahren. Den Umsatz von derzeit rund 2 Mrd. Fr. will die Firma bis zum Jahr 2025 auf 2,7 Mrd. Fr. steigern.

Vorerst aber steckt das Bündner Energieunternehmen tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2015 musste Repower einen Rekordverlust von 108 Mio. Fr. melden. Wie es für das ganze Jahr aussieht, darauf wollte Bobst am Freitag nicht näher eingehen. Offen ist überdies, wie sich die Neupositionierung auf die Arbeitsplätze auswirken wird.