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Legende: Audio Safientals Kampf um die Lebensader abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 10.04.2019.
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Leben im Safiental Was darf eine Randregion kosten?

Die Bewohner des Bündner Safientals kämpfen für eine bessere Strasse – doch der Kanton sträubt sich, das grosse Geld in die Hand zu nehmen.

Kurz vor acht treffen immer mehr Safier per Auto oder mit Schneeschuhen in der Hand bei der Mehrzweckhalle ein. Für die Gemeindeversammlung ist Besuch aus der Bündner Hauptstadt Chur angekündigt. Das Tiefbauamt soll der Bevölkerung im abgelegenen Safiental Red und Antwort stehen zum Zustand der Kantonsstrasse ins Tal.

Bessere Strasse auf jede Alp

Die knapp 24 Kilometer lange Safientalstrasse ist über weite Strecken einspurig, Leitplanken fehlen immer wieder. Die Autos holpern teilweise über Naturstrasse, nur die ersten sieben Kilometer entsprechen laut dem Tiefbauamt dem Bündner Standard. Kreuzen ist anspruchsvoll. Auf jede Alp hinauf gebe es eine bessere Strasse als diese Kantonsstrasse, sagen manche Safier.

Schotterstrasse an einem Hang im Wald.
Legende: Die einspurige Schotterstrasse ins Safiental ist als Kantonsstrasse ausgewiesen. SRF/Stefanie Hablützel

«Wir brauchen eine gute Erschliessung», sagt ein Safier vor Beginn der Versammlung. Sonst wolle niemand aus dem Unterland im Safiental leben wollen. Es gehe darum die Abwanderung zu bekämpfen, die Ausgangslage fürs Gewerbe verbessern, das Safiental als Naherholungsgebiet von Chur positionieren.

So sehen es viele Safier. Aber nicht alle, die heute an die Gemeindeversammlunge gekommen sind. «Die Lebensqualität des Safientals ist gerade, dass es hier ruhig ist. Das darf auch so bleiben», sagt die Betreiberin eines Berggasthauses, das auf naturnahen Tourismus setzt. Für sie muss die Strasse nicht ausgebaut werden.

Kanton: Man macht, was man kann

Den rund 70 Safiern steht an der Gemeindeversammlung nicht wie gewünscht der Kantonsingenieur oder gar Regierungsrat Mario Cavigelli Red und Antwort. Dieser hat einer Informationsveranstaltung im touristisch wichtigen Oberengadin den Vorzug gegeben – ebenfalls zum Thema Strassensicherheit.

Für Verständnis wirbt Rico Nussbaumer, Chef Bezirk 1 des Tiefbauamts. Dem Kanton sei die Situation bekannt, der Zustand der Strasse sei im innerkantonalen Vergleich schlecht. Deshalb würden jährlich zwei bis drei Millionen Franken verbaut, in erster Linie dort, wo die Strasse zu kollabieren drohe.

Ein Saal, einige Dutzend Personen sitzen auf Stühlen, vorne steht ein Mann und spricht, auf einer Leinwand ist eine Strassenkarte sichtbar.
Legende: Rico Nussbaumer vom Tiefbauamt hat es schwer, den Safiern klar zu machen, wieso es mit der Talstrasse kaum vorangeht. SRF/Stefanie Hablützel

Bis 2025 seien beim Kanton Projekte geplant. «Wir sind gewillt, in das Safiental in dem Mass zu investieren, wie das möglich ist», sagt Nussbaumer. Die Aussage stösst im Saal auf Unverständnis. Die aktuellen Bemühungen seien einen Tropfen auf den heissen Stein. Geld gebe es genug, Ende 2018 war der Bündner Strassenfonds mit dem Maximum von 100 Millionen Franken gefüllt.

Safiental zu wenig relevant?

Wieso also gibt die Regierung in Chur nicht Gas und baut die Strasse endlich aus? Geld sei nicht der einzige Faktor, erklärt der Vertreter des Tiefbauamts. Das Personal sei knapp, die Bewilligungsverfahren komplex.

Ausserdem befinde sich das Safiental in einer Konkurrenzsituation – auch in anderen Bündner Regionen wartet man auf Umfahrungen oder Tunnels. Die Projekte würden sich beim Tiefbauamt geradezu stapeln, sagt Nussbaumer.

Mit Argumenten wie Bevölkerungszahlen oder Verkehrsaufkommen kann das Safiental nicht punkten. Bürger zweiter Klasse will man trotzdem nicht sein, meint ein kämpferischer Gemeindepräsident Thomas Buchli. «Wir wissen, dass wir am Ende der Landschaft in der Peripherie sind. Wir hatten bisher das Gefühl, wir müssen damit zufrieden sein.» Doch mit der zunehmenden Mobilität werde die Strasse immer wichtiger.

Noch in den 1990er Jahren sprach die Bündner Regierung davon, die Strasse bis Safien Platz auszubauen, erzählt der Gemeindepräsident – doch passiert sei nichts. «Wir sind die Manipuliermasse, die der Kanton vor sich herschiebt – weil die Relevanz halt doch nicht so gross ist», sagt Buchli.

Eine Stunde lang üben die Safier Kritik, die Rico Nussbaumer, Chef Bezirk 1 verspricht, mit seinen Vorgesetzten zu besprechen. Dann ist die Informationsveranstaltung für den Vertreter des Tiefbauamts überstanden. Zum Abschied gibt ihm der Gemeindepräsident einen kurzen Satz mit: «Geniessen Sie den Weg!».

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