Psychisch krank: Wie Junge um eine Platz im Berufsleben kämpfen

Suizidgedanken, Klinikaufenthalte, die Lehre abgebrochen. Für Jugendliche mit psychischen und sozialen Problemen ist es schwierig, im ersten Arbeitsmarkt zu bestehen. Wie junge Leute in der Lernstatt Känguruh in Malix und in Chur um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen, zeigt der Besuch vor Ort.

Laut Studien wird heute fast jede zweite IV-Rente an Menschen mit einer psychischen Erkrankung ausbezahlt. Stark betroffen von psychischen Problemen sind auch junge Menschen. In Graubünden werden sie unter anderem in der Lernstatt «Känguruh» begleitet. Dort können sie eine Berufslehre absolvieren. Parallel dazu wohnen sie auch in der Institution. Hier werden sie Schritt für Schritt in die Selbständigkeit geführt.

Integration gelingt teilweise

Der Leiter der Institution, Philipp Lischer sagt: «Wir können Erfolge aufweisen. 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen haben am Ende ihrer Ausbildung eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt».Lischer sagt aber auch, dass nicht alle Jugendlichen in der Berufswelt bestehen können. In der digitalisierten und schnellen Arbeitswelt würden viele unter die Räder kommen. Er appelliert: «Wenn man diese Jugendlichen ernst nimmt und integriert, sind sie eine Bereicherung. Man merkt dann, dass es nicht nur um Effizienz sondern auch ums Zusammenleben geht».

Hoffen auf mehr Freiheit

Überforderung in der Schule und am Arbeitsplatz, Selbstverletztungen, Suizidgedanken, Aggressionen, Klinikaufenthalte, die Lehren abgebrochen - solche und ähnliche Geschichten gehören zu Denis, Steven, Chantal, Markus, Dario oder Livio. In der Lernstatt Känguruh erhalten sie eine zweite oder dritte Chance. Sie möchten sie packen, oder wie es Denis stellvertretend wohl für die meisten Betroffenen sagt: «Ich möchte es ohne IV schaffen».