Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Corsin Bisaz: «Wenn es so weitergeht, ist diese Zukunft relativ kurz» abspielen. Laufzeit 07:34 Minuten.
Aus Regionaljournal Graubünden vom 31.05.2019.
Inhalt

Romanisch stark unter Druck Bündner Sprachenförderung ist laut Studie mangelhaft

Im Auftrag des Bundesamts für Kultur untersuchte das Zentrum für Demokratie Aarau, wie nützlich die Massnahmen zur Erhaltung und Förderung der rätoromanischen und italienischen Sprache in Graubünden bislang waren. Die Evaluation ist Grundlage für die kürzlich erschienene Kulturbotschaft des Bundesrats.

Die Studie kommt unter anderem zum Schluss, dass es mit der Umsetzung des Sprachengesetzes in Graubünden harzt. In der Pflicht stehe dabei der Kanton. Dieser delegiere seine Verantwortung zu stark an die Sprachenorganisationen.

Die Gefahr sei real, dass die Romanischkenntnisse weiter sinken und «bereits mittelfristig die Gefahr einer existentiellen Bedrohung» besteht. Studienleiter Corsin Bisaz erklärt im Interview, mit welchen Massnahmen Rätoromanisch und Italienisch gefördert werden können.

Corsin Bisaz

Corsin Bisaz

Politikwissenschaftler

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Politikwissenschaftler und Jurist Corsin Bisaz arbeitet beim Zentrum für Demokratie Aarau ZDA. Er lehrt unter anderem an der Lunds Universitet in Schweden und an der Universität Zürich.

SRF News: Corsin Bisaz, sie haben die aktuelle Situation der rätoromanischen und italienischen Sprache in Graubünden untersucht. Wo steht das Rätoromanische?

Corsin Bisaz: Unser Fazit ist, dass das Rätoromanisch stark unter Druck ist. Und das selbst in den angestammten Sprachgebieten. So ist beispielsweise auch in einsprachig romanischen Gemeinden das Deutsch weit verbreitet.

Ein Ergebnis ihrer Studie ist, dass es im Sprachunterricht Mängel gibt. Was ist dort das Problem?

Während der Bildungskette – also vom Kindergarten bis allenfalls zur Universität – kann man beobachten, dass vom rätoromanischen Idiom ins Rumantsch Grischun und zurück zum Idiom gewechselt wird. Und an Mittelschulen ist es nicht selten der Fall, dass der Romanisch- und auch der Italienischunterricht gestrichen oder gekürzt wird.

Verschiedene Medien haben berichtet, dass laut ihrer Studie die Amtssprache Rumantsch Grischun im Alltag gescheitert ist. Stimmt das?

Nein, das war nicht der Gegenstand unserer Studie. Was wir aber festgestellt haben, ist, dass die Situation im Kanton Graubünden bezüglich der verwendeten Sprachen, beispielsweise im Sprachunterricht oder auf Verwaltungen, sehr heterogen ist.

Die Sprachen müssen gleich behandelt werden.

Dementsprechend befinden sich die Förderungsmassnahmen in einem sehr komplexen Umfeld.

Zur zweiten Minderheitensprache in Graubünden: Wo liegt das Problem beim Italienischen?

In erster Linie gibt es hier ein Problem bei der kantonalen Verwaltung. Dort spielt das Italienische eine sehr untergeordnete Rolle. Bei Bewerbungen wird häufig die Anforderung gestellt, dass sich jemand perfekt auf Deutsch äussern kann, was das Italienische in der Verwaltung marginalisiert.

Eine der Förderungsmassnahmen, die sie nun vorschlagen, ist deutlich mehr Geld in den Bildungsbereich zu investieren. Wird nicht schon jetzt viel Geld in diesen Bereich investiert?

Das mag schon richtig sein, dass da schon jetzt viel Geld investiert wird. Das Problem ist, dass rätoromanische oder italienischsprachige Lehrmittel häufig verspätet und nicht zufrieden stellender Qualität erschienen sind.

Was muss sich ändern?

Grundsätzlich müssen die Lehrmittel gleichzeitig auf Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch und in gleicher Qualität erscheinen. Die Sprachen müssen gleich behandelt werden.

Und ausserhalb des Bildungsbereichs?

Beim Rätoromanischen ist vor allem die Förderung ausserhalb des traditionellen Sprachgebiets wichtig. Denn es gibt eine grosse Romanischgemeinde ausserhalb des traditionellen Sprachgebiets, innerhalb und ausserhalb des Kantons Graubünden gibt, welche nicht in den Genuss des Romanischunterrichts kommt.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

Regierung nimmt Erkenntnisse ernst

Angesprochen auf die Studienergebnisse sagt der Bündner Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartements Jon Domenic Parolini, dass die Regierung die Erkenntnisse sehr ernst nehme. Ein besonderes Augenmerk legt Parolini auf den Vorschlag der Studienautoren, dass der Kanton Graubünden bezüglich Rätoromanisch mehr Schwerpunkte im Bildungsbereich setzen und auch ausserhalb des Sprachgebietes Massnahmen ergreifen sollte.

Bei der Umsetzung des Sprachengesetzes sieht Parolini unter anderem Schwierigkeiten auf der Gemeindeebene: «Wenn beispielsweise Fachpersonen wie Juristen oder Raumplaner, die beigezogen werden, kein Romanisch sprechen, dann gibt es irgendwo Grenzen.» Insgesamt seien aber der Kanton und die Gemeinden zuständig, dass das Sprachengesetz umgesetzt wird.

Bezüglich der Lehrmittel sei man auf einem guten Weg, so Parolini. Jährlich könnten aber nur wenige Lehrmittel übersetzt werden. Dies aus finanziellen aber auch aus personellen Gründen, da Fachkräfte fehlen, die die Lehrmittel übersetzen können.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Asher Meng  (Ashi)
    2. Unter Engadiner und Val Müstair sprechen Vallader. Wir Münstertalre haben jedoch einige Wörter vom Südtirol und somit verstehen die UnterEngadiner nicht alles. Die Ober Engadiner sprechen ähnlich wie Unter E. und Val Müstair. Die Wörter enden oft mit e aber gut verständlich. Sie sprechen Puter. Wenn man dann in die Lenzerheide fährt dann wird es sehr schwierig für uns. Auchi Richtung Ems und Schams und dann Oberland Disentis und seiten Täler sind nicht einfach. Ich verstehe 99% heute 65 Jahr
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Asher Meng  (Ashi)
    1Bin Scuol geboren und im VAL Müstair aufgewachsen. Viele Lehrer kamen vom Kloster Disentis, und sprachen oft Deutsch, weil wir im besten Willen sein Idiom Sursilvan, nicht verstanden. Ein Beiispiel Die GR Oberländer sagen z.b Eisi bo was ist es ok oder einfach gut ist. Wir sagen es quai in uorden oder schi. Vallader und Jauer im Val Müstair. 80% sind fast alle 5 Idiome sehr ähnlich und wir verstehen einander, mit viel zuhören und nachfragen. Es ist aber nicht einfach. Engadiner und Val Müstair
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Das Rumantsch Grischun vereinigt nicht die Dialekte sondern die Idiome.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Asher Meng  (Ashi)
      Grüezi/ Allegra Herr Planta Rumantsch Grischun ist eine Kunstsprache. Habe die Steuererklärung nicht lesen können und musste die in Deutsch geschriebene bestellen. Kenne niemanden der Rumatsch Grischun spricht. Es war ein guter Versuch, ist jedoch gescheitert. Giavüsch ün bel Di. Kann sonst meistens Ihre Wortmeldungen mit schi/ja beantworten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Daniel Hüppin  (Daniel Hüppin)
      Als Nicht-Rätoromane kann ich nicht beurteilen, ob Rumantsch Grischun eine gute oder schlechte Sache ist. Aber aus meiner Sicht macht es Sinn, dass Bund und der Kanton Graubünden Rumantsch Grischun für amtliche Drucksachen verwenden. Sonst müssten diese Drucksachen ja in allen fünf rätoromanischen Idiomen verfasst werden, um nicht jemanden zu diskriminieren. Nur müsste man irgendwie sicherstellen, dass Rumantsch Grischun von denen, die diese Drucksachen lesen sollen, auch verstanden wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen