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Schweizerischer Nationalpark «Der Naturschutz ist in der Krise»

Ruedi Haller sitzt am Tisch
Legende: Der neue Nationalparkdirektor will sich schweizweit für noch mehr Umweltschutz einsetzen. Schweizerischer Nationalpark

Ruedi Haller ist der neue Direktor des Nationalparks. Der 52-jährige Geograf arbeitet seit über 20 Jahren für den Park. Der Nationalpark hat sein Ziel erreicht, wenn jeder Einzelne selber ein Stück Nationalpark in seinem Umfeld verwirklichen will, sagt Haller.

Ruedi Haller

Ruedi Haller

Neuer Direktor des Schweizerischen Nationalparks

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Ruedi Haller ist promivierter Geograf. Seit über 20 Jahren arbeitet er beim Schweizerischen Nationalpark, aktuell als Leiter des Bereichs Forschung und Geoinformation. Die Nationalparkkommission hat ihn im November 2018 zum neuen Parkdirektor gewählt. Den Posten wird er im Oktober 2019 übernehmen. Ruedi Haller ist 52-jährig, verheiratet, Vater von drei Kindern. Er wohnt in Ardez.

SRF News: Ruedi Haller, der Nationalpark hat sich in den letzten über hundert Jahren erfolgreich entwickelt. Er ist zu einer Marke geworden, man kennt ihn in der ganzen Schweiz, wo gibt es trotzdem noch Verbesserungspotential?

Wir können immer noch besser werden. Vielleicht nicht in erster Linie beim Schutz im Park selber, aber in der Schweiz und weltweit ist der Naturschutz in der Krise. Weltweit haben wir beispielsweise einen starken Rückgang bei der Biodiversität. Auch haben es neue Schutzprojekte schwer. Gleich zwei Schweizer Nationalparkprojekte (Parc Adula, Parco Nazionale del Locarnese, Anm. d. Red.) haben Schiffbruch erlitten. Solchen Entwicklungen müssen wir entgegentreten. Und hier kann der Nationalpark weiterhin einen Beitrag leisten.

Wo werden sie konkret ansetzen?
In vielen kleinen Schritten möchte ich als Parkdirektor die regionale Zusammenarbeit mit dem Naturpark im Münstertal, der Biosfera Val Müstair, weiterentwickeln. Es geht auch darum, unser UNESCO Biosphärenreservat zu stärken. International möchten wir zusammen mit dem Stelvio Nationalpark zusammenspannen. Da gilt es, dieses ökologisch grossartige Gebiet bis hinunter an den Gardasee zu vernetzen und gemeinsame Aufgaben zu lösen, sei es beim Rothirsch-, Bären- oder in Zukunft auch beim Wolfsmanagement. Diese Ziele sind nicht neu, aber ich möchte sie mit unserem Team weiterbringen.

Was kann der Nationalpark zum Umweltschutz beitragen?

Der Schweizerische Nationalpark steht für ein sogenanntes «No Intervention Management». In einem Bestimmten Gebiet überlassen wir die Natur sich selber. Wir müssen auch heute noch erklären, warum wir Sturmschäden nicht wegräumen oder nicht eingreifen, wenn Hirsche junge Bäume anfressen. Das sind natürliche Prozesse. Wir zeigen über einen langen Zeitraum was passiert, wenn man die Natur machen lässt. Sie funktioniert ohne Menschen sehr gut, wenn man ihr den notwendigen Platz gibt.

Sie sagen der Nationalpark sei nicht nur für den Umweltschutz in der Region sondern auch überregional wichtig, warum?

Der Nationalpark ein wichtiges Aushängeschild für den Naturschutz in der Schweiz. Und auch hier müssen wir unseren Einfluss geltend machen. Wir müssen aufzeigen, dass die Natur nicht nur irgendwo abgelegen und weit weg von den Zentren Sinn macht. Auch im Mittelland oder im Jura muss die Natur stärker geschützt werden. Und hier kann unsere Institution einen Beitrag leisten, indem wir unser Netzwerk und unser Know How einsetzen. Wir haben jeden Sommer gegen 150'000 Gäste im Nationalpark und die grosse Mehrheit findet den Nationalpark toll. Sie für ein kleines Stück Nationalpark in ihrer Umgebung (z. B. in ihrem Garten) zu gewinnen, das muss ein Ziel sein.

Das Gespräch führten Marc Melcher und Sara Hauschild

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