Scuol als neue grösste Schweizer Gemeinde

Ardez, Ftan, Guarda, Sent, Tarasp und Scuol wollen fusionieren, die Abstimmung ist Ende März. Bei einem Ja würde der Kanton sein Füllhorn ausschütten, 10 Millionen Franken sind versprochen. Nun regt sich Widerstand. Was Befürworter und Gegner sagen und wieso Graubünden auf grössere Gemeinden setzt.

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Bildlegende: Die Gemeindefusion im Unterengadin ist umstritten. In Sent hat sich die Oppositionsgruppe «Sent forever» formiert. srf

Seit gut einem Jahr beschäftigt sich im Unterengadin ein Projektgruppe mit der möglichen Fusion der sechs Gemeinden Ardez, Ftan, Guarda, Sent, Tarasp und Scuol. «Wir sind bereit», sagt auf Anfrage Christian Fanzun, Projektleiter und Gemeindepräsident von Tarasp.

Grösste Gemeinde der Schweiz

Die neue Gemeinde wäre mit 438 Quadratkilometern leicht grösser als Glarus-Süd, die zurzeit flächenmässig grösste Gemeinde der Schweiz, heisst es beim Kanton Graubünden auf Anfrage. Punkto Einwohnerzahl würde Scuol mit rund 4700 Einwohnern jedoch klein bleiben.

Die Abstimmungen sind am 29. und 30. März. Für Christian Fanzun ist die Fusion notwendig. Besonders die kleinen Gemeinden könnten gewisse Probleme nicht mehr alleine lösen. So sei es schwierig, neue Gemeindepolitiker zu finden. Viele Aufgaben müssten zusammen mit anderen Gemeinden erledigt werden.

«Wir wollen autonom bleiben»

Kritik kommt von der Gruppe «Sent forever». Für das Mitglied und SVP-Politiker Reto Rauch würde Sent seine Autonomie verlieren, also die Möglichkeit, unabhängig Entscheide treffen zu können. Er will auch künftig auf Verbände mit anderen Gemeinden setzen: «Solche Verbände kann man künden, eine Fusion nicht.»

Von aussen das Projekt begleitet hat Thomas Kollegger, Leiter Amt für Gemeinden des Kantons Graubünden. Im Gespräch mit dem «Regionaljournal Graubünden» erzählt Kollegger über Knackpunkte bei Fusionsprojekten, wieso der Kanton Zusammenschlüsse finanziell grosszügig unterstützt und ob die Bevölkerung genügend Möglichkeiten zur Mitsprache hat.