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Graubünden Traum und Albtraum: Ferienhäuser à discrétion in Graubünden

Alle ehemaligen Maiensässe und Ställe sollen zu Wohnungen umgebaut werden können. Das fordert CVP-Grossrat Reto Crameri. Nur so könnten der Wert der Gebäude und das Landschaftsbild erhalten werden. Für Pro-Natura-Präsident Stefan Barandun reichen die heutigen Umnutzungsmöglichkeiten aus.

Kleines Holzgebäude, das schief auf einer Wiese steht.
Legende: Zerfallener Stall auf dem Maiensäss «Sesel» oberhalb Untervaz im Churer Rheintal. Keystone

Reto Crameri, Grossrat der CVP, kommt ins Schwärmen, wenn er von seinen Ferien im familieneigenen Maiensäss erzählt: «Ferien auf dem Maiensäss sind etwas Wunderbares», dank der intakten Natur – ein Gefühl, das er gerne mehr Menschen in Graubünden ermöglichen würde.

In einem Vorstoss fordert der Politiker aus Surava, dass ehemalige Maiensässe und Ställe «massvoll umgenutzt und umgestaltet werden können und eine Wohnnutzung ermöglicht wird». Dabei müsse die Identität der Gebäude gewahrt bleiben.

Die Identität bewahren, auch wenn ein Gebäude umgenutzt wird: Grosse Zweifel äussert Stefan Barandun, Präsident von Pro Natura Graubünden und ehemaliger Raumplaner. «Es braucht Fenster, es braucht eine Türe, je nachdem einen Zaun, Parkplatz, Fahnenmast, Cheminée», die landwirtschaftliche Nutzung werde zurückgedrängt und dem Gebäude eine neue Funktion gegeben.

Uneins sind sich Raumplaner und Politiker im Streitgespräch in der Sendung «Regionaljournal Graubünden» darüber, wie gut die Gemeinden die Umbauten kontrollieren. Während Stefan Barandun gestützt auf seine langjährige Erfahrung beim Amt für Raumplanung von Bausünden erzählt, kontert Reto Crameri mit Urteilen des Bündner Verwaltungsgerichts, die Rückbauten nach sich zogen.

20'000 Ställe könnten umgebaut werden

Mit den geltenden Raumplanungsregeln können heute nur bestimmte Gebäude umgenutzt werden – wenn sie zum Beispiel Teil einer kleinen Häusergruppe auf einer Alp sind oder die Landschaft prägen wie im Schams. Besonders alleinstehende Ställe können höchst selten umgebaut werden, da sie nie zum Wohnen verwendet wurden.

Laut der Bündner Regierung könnten so 20'000 ehemalige Ställe umgenutzt werden. «Wenn jeder dieser Ställe fünf Betten hat, bekommen wir 100'000 Fremdenbetten ausserhalb der Bauzone», warnt Stefan Barandun. Damit würde die Trennung von Baugebiet und Nicht-Baugebiet in Frage gestellt.

Für den Politiker Reto Crameri ist genau diese Zweckänderung gewollt. Sonst habe beispielsweise eine Erbengemeinschaft kein Interesse daran, ein Stalldach zu erneuern und diesen damit vor dem Verfall zu schützen. Die Trennung zwischen Baugebiet und Nicht-Baugebiet solle nicht aufgehoben werden.

Der Bündner Grosse Rat debattiert voraussichtlich am Mittwoch über den Vorstoss. Die Regierung hat bereits Position bezogen und lehnt die Forderung ab.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr

2 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
    Die Umnutzung von ca. 20.000 Ställen für ein „Maiensäss“ fördert die Handwerker u. Bauwirtschaft, sowie auch den Tourismus . Denn was wäre die Schweiz ohne ihre romantischen „Hütten“.Immerhin,wären diese Investitionen sinnvoller als Moscheen zu bewilligen... die brauchen mehr Raumgestaltung. Vielleicht spielt auch Neid hier eine Rolle.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Immer diese blödsinnigen Vergleiche. Moscheen gibts dort wo es Mohamedaner gibt. Bekanntlich herrscht in der Schweiz Religionsfreiheit, ob das ihnen nun passt oder nicht.
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