Wenn die Gemeindeschreiberin ihren Ehemann büsst

Fünf statt drei Gemeindevorstände. Diese Formel wünscht sich die Bündner Regierung für alle Gemeinden. Betroffen von der Änderung wäre auch Rongellen. Wie die Forderung ankommt und warum die Verwaltung dort heute eine Art Familienunternehmen ist, zeigt ein Besuch im Dorf.

Rongellen wird seit 22 Jahren vom Gemeindepräsidenten Luzi Conrad geführt. Noch länger dabei ist seine Ehefrau Irene Conrad. 1984 hat sie das Amt der Gemeindeschreiberin von Rongellen übernommen.

Viele Hausaufgaben rund um die Gemeinde werden am Mittagstisch besprochen und oft sogleich erledigt. Die beiden Conrads betonen aber auch, dass wichtige Aufgaben immer gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern angeschaut und erledigt würden.

Eine Busse für den Ehemann und Gemeindepräsidenten

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Mindestens fünf Mitglieder

Die Bündner Regierung möchte, dass in Zukunft alle Gemeindevorstände und Regierungen im Kanton mit mindestens fünf Mitgliedern besetzt sind. Diese Forderung hat letzte Woche in Chur für Diskussionen gesorgt. Betroffen von der Änderung wäre auch die Kleinstgemeinde Rongellen.

Nur einmal sei es bisher zu einem Interessenskonflikt gekommen, erzählt Irene Conrad im Gespräch mit Radio SRF. Schuld war ein neuer Velounterstand.

«Ich habe meinem Mann mehrfach gesagt, dass es für dieses Unterfangen eine neue Baubewilligung braucht, er hat mir nicht geglaubt, also habe ich die Konsequenzen gezogen», so die Gemeindeschreiberin und Ehefrau des Gemeindepräsidenten.

Sie hat ihren Ehemann zu einer Busse von 500 Franken verknurrt.Lachend sagt Luzi Conrad dazu.«Ja, diese Strafe war happig. Aber man muss die Gesetze einhalten. Meine Frau hat diesen Entscheid zusammen mit dem Gemeindevorstand gefällt».

Der Gemeindepräsident musste in den Ausstand treten. Dieses Beispiel zeige, dass das Dreiergremium in Rongellen gut funktioniere.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr