Piz Cengalo Wie überwacht man einen Berg

SRF News: Die NZZ am Sonntag hat berichtet, dass der Kanton den Piz Cengalo nun permanent überwacht; was bedeutet das?

Christian Wilhelm vom Amt für Wald und Naturgefahren: Wir haben einen interferometrischen Radar installiert. Dieser scannt dauernd die Felswand ab und produziert aus den Daten ein farbiges Bild. Die unterschiedlichen Farben zeigen uns, welche Felsteile in welcher Bewegung sind. Das machen wir, weil unten bei Bondo Leute im Auffangbecken arbeiten und wir weitere Felsstürze möglichst früh voraussehen wollen.

Ihre Messungen im Vorfeld hatten ergeben, dass bis zu einer Million Kubikmeter Fels akut absturzgefährdet sind. Die NZZ am Sonntag hatte geschrieben, dass sich mit diesem System bis zu drei Tage zuvor ein Abbruch prognostizieren lässt. Ist das im Hinblick auf den Piz Cengalo eine realistische Zahl?

Das kann ich noch nicht sagen, da wir die ersten Messresultate noch nicht verifiziert und interpretiert haben. Erst mit der Zeit bekommt man ein Gefühl und eine Kenntnis vom Berg, wie schnell diese Felsbewegungen sind und wie schnell sie sich beschleunigen.

Wie hatten Sie vor dem grossen Felssturz den Piz Cengalo überwacht?

Wir haben seit 2011, nach dem ersten Bergsturz, jährlich Radarmessungen durchgeführt. Mit der Beschleunigung vom letzten Juli haben wir beschlossen häufiger, auch periodisch zu messen.

Was ist der Grund, dass man nicht schon früher auf diese permanente Überwachung am Piz Cengalo gesetzt hat?

Das ist eine Frage der Bewertung, fachlich wie auch rechtlich. Diese sind im Moment Inhalt der Untersuchung der Staatsanwaltschaft und da kann ich nicht vorgreifen.

Mit Blick in die Zukunft, müssen Sie die Überwachung am Piz Cengalo ausbauen?

Wir haben diesen Ausbau für die Bewältigungsphase gemacht. Solange Leute im gefährdeten Gebiet arbeiten, setzt man alles daran, sinnvolle Messinstrumente einzusetzen.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

Christian Wilhelm leitet beim Amt für Wald und Naturgefahren den Bereich «Schutz vor Naturgefahren». Das Gespräch ist ein Transkript der hochdeutschen Fassung für SRF4.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30; habs