Neuer Roman «Wie wenn man in einem Tagebuch liest»

«Moosflüstern», so heisst der neue Roman des Bündner Schriftstellers Joachim B. Schmidt. Wie in den anderen Werken spielt seine Wahlheimat Island auch dieses Mal eine grosse Rolle.

BBuch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Moosflüstern heisst das neue Buch von Joachim B. Schmidt. SRF / Marc Melcher

SRF News: Island, die Wahlheimat von Joachim B. Schmidt, scheint den Autor zu beschäftigen. Ist es auch zur Heimat seiner Literatur geworden?

Esther Krättli, Literaturredaktorin: Das kann man so sagen. In vier Jahren hat er drei Romane geschrieben, die nicht nur in Island spielen, sondern auch wichtige Punkte der isländischen Nachkriegsgeschichte aufzeigen. Es sind eher düstere und geheimnsivolle Kapitel der Geschichte.

Um welches Geheimnis dreht sich denn der neueste Roman?

Es geht um die sogenannten Esia-Frauen. Das waren 300 Mädchen und junge Frauen aus Deutschland, die nach Island kamen um bei Bauern zu arbeiten. Eine dieser Frauen ist Anna Lieber, die in Deutschland ihren einjährigen Sohn Heinrich zurückgelassen hat. Dieser Junge wird zur Hauptfigur im Roman, aber erst im Alter von über 40 Jahren. Er lebt mittlerweile in Graubünden und erfährt über Umwege das Geheimnis seiner Mutter.

Was ist Heinrich Lieber für eine Person?

Er ist ein Bünzli, bis zu dem Moment, in dem er von seiner Mutter erfährt. Hinzu kommt ein weiterer Schicksalsschlag. Ihm fällt da wirklich die Decke auf den Kopf und Heinrich Lieber macht sich auf, das Geheimnis rund um seine Mutter zu lüften.

Können Sie das Buch weiterempfehlen?

Ja. Joachim B. Schmidt skizziert seine Figuren ohne psychologischen Schnickschnack. Stark ist insbesondere der Teil über die Mutter von Heinrich Lieber, da scheint der Autor sehr gut recherchiert zu haben. Es ist, als ob man in einem Tagebuch lesen würde. Etwas platter ist die Figur Heinrich Lieber. Eher eine Karikatur, denn eine interessante Persönlichkeit.

Das Gespräch führte Marc Melcher.