Wildtierfütterungen - Zankapfel im neuen Jagdgesetz

Wildtierfütterungen sind gut gemeint, können für Rehe und Hirsche aber zum Problem werden. Braucht es deshalb ein generelles Verbot der Wildtierfütterungen? «Nein», sagt der Kanton. «Doch», sagen die Jäger.

Ein Hirschstier im Tiefschnee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schalenwild, also Rehe, Hirsche, Gämsen und Steinböcke reduzieren im Winter den Energieverbrauch. Keystone

In den 70er- und 80er-Jahren wurden Rehe und Hirsche im Kanton Graubünden fleissig gefüttert. Die Jäger wollten den Tieren so durch die strengen Winter helfen. Seit einigen Jahren weiss man aber, dass mit Fütterungen das Gegenteil erreicht wird.

Die Tiere haben eine ausgeklügelte Strategie, um den Winter zu überleben. Sie reduzieren ihren Energieverbrauch. Diese Reaktion wird durch Fütterungen verhindert. Rehe und Hirsche, die gefüttert werden, brauchen gleich viel Energie wie im Sommer. Hören die Fütterungen aber plötzlich auf, oder machen immer mehr Tiere von einer einzigen Futterstelle Gebrauch, können die Tiere deshalb schliesslich verhungern.

Unterschiedliche Auffassungen

Der Kanton Graubünden und die Jäger leisten deshalb viel Aufklärungsarbeit. Sie versuchen die Bevölkerung zu informieren, weshalb Tiere nicht angefüttert werden sollen. Ein gesetzlich verankertes Verbot wäre deshalb nicht nötig, meint Jagdinspektor Georg Brosi: «Wir fahren gut mit der Aufklärungsstrategie.»

Anders sieht das Robert Brunold, Präsident des Bündner Kantonalen Patentjägerverbands (BKPJV): «Mit der Aufklärung werden durchaus Resultate erzielt. Ganz verhindern könnte man Fütterungen aber nur mit einem Verbot.»

Der BKPJV hat sich deshalb dafür eingesetzt, dass dieses Verbot in die Teilrevision des Jagdgesetzes aufgenommen wird. Bisher ohne Erfolg. Brunold hofft aber, dass sich die Grossräte der Jägerfraktion im Oktober, wenn das Gesetz beraten wird, dafür einsetzen. Grossräte und Jägerverband werden das Thema demnächst an einer Sitzung besprechen.