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Reto Leuch: «Wenn sich nichts ändert, gibt es bald keine Berufsfischer mehr am Bodensee.»
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Bodensee-Fischer So wenig Felchen gefangen wie noch nie

Die Berufsfischer auf dem Bodensee bangen um ihre Existenz. Der Felchenfang war 2018 auf dem tiefsten Stand seit 1910.

Die Berufsfischer am Bodensee haben zu kämpfen: Das Fangjahr 2018 lag mit 263 Tonnen knapp über dem historischen Tief von 2015. Bei den Felchen waren die Fänge seit Messbeginn noch nie so tief. Auch der Präsident der Schweizer Berufsfischer am Bodensee, Reto Leuch als Landschlacht im Kanton Thurgau, hat dies zu spüren bekommen: «Wir fangen immer weniger Felchen. Die Unzufriedenheit bei den Bodenseefischern ist gross.»

Reto Leuch aus Landschlacht/TG fischt in dritter Generation. Er ist der Präsident der Schweizerischen Berufsfischer auf dem Bodensee.
Legende: Reto Leuch aus Landschlacht/TG fischt in dritter Generation. Er ist der Präsident der Schweizerischen Berufsfischer auf dem Bodensee. zvg

Dramatisch ist der starke Rückgang beim Felchen, dem wichtigsten Wirtschaftsfisch für die Berufsfischer. 2018 wurden lediglich 127 Tonnen Felchen gefangen. Das ist ein Rückgang um 35 Prozent gegenüber dem Wert des Vorjahrs und der niedrigste seit Beginn der Statistik im Jahr 1910.

Den Berufsfischern auf dem Bodensee sind auch im letzten Jahr sehr wenig Fische ins Netz gegangen.
Legende: Den Berufsfischern auf dem Bodensee sind auch im letzten Jahr sehr wenig Fische ins Netz gegangen. Keystone

Auch bei anderen für die Berufsfischerei wichtigen Fischarten wurden gegenüber dem Vorjahr starke Fangrückgänge verzeichnet: Weissfische inklusive Brachsen (-14 Prozent), Karpfen (-30 Prozent), Aal (-37 Prozent), Seeforelle (-42 Prozent) und Trüsche (-56 Prozent).

Heisser Sommer begünstigte Barsche

Einzig beim Barsch, auch Egli oder Kretzer genannt, wurde mit 70 Tonnen ein um 166 Prozent über dem Vorjahresfang von 26,5 Tonnen liegender Ertrag erzielt. Der heisse Sommer 2018 begünstigte offensichtlich die Barsche.

Ich kenne viele Berufsfischer, die vom Fischen nicht mehr leben können. Sie mussten die Fischerei an den Nagel hängen.
Autor: Reto LeuchPräsident Schweizer Berufsfischerverband am Bodensee

Auf dem Bodensee-Obersee waren 2018 nur noch 79 Berufsfischer tätig, dies ist ein Rückgang um 17 gegenüber dem Vorjahr. Der Strukturwandel setzt sich 2019 fort. Stand Februar sind nur noch 69 Hochseepatente vergeben worden.

Am frühen Morgen sticht Reto Leuch seit über 20 Jahren in den See, um Fische zu fangen und sie anschliessend zu verkaufen.
Legende: Am frühen Morgen sticht Reto Leuch seit über 20 Jahren in den See, um Fische zu fangen und sie anschliessend zu verkaufen. zvg

Kormorane fressen 300 Tonnen Fisch

Die Fischfänge der Kormorane aus dem Bodensee und den Zuflüssen werden auf mindestens 300 Tonnen jährlich beziffert. Die Vögel holten demnach annähernd so viel Fisch aus dem See wie die Berufsfischerei. Für Reto Leuch, Präsident der Schweizer Berufsfischer am Bodensee ein Unding: «Wenn sich nichts ändert, sehe ich keine Zukunft mehr für unsere Berufsfischer. Der Bestand der Kormorane muss länderübergreifend reguliert werden.»

Der sehr hohe Kormoranbestand ist neben dem niedrigen Nährstoffgehalt des Sees und dem weiterhin hohen Stichlingsaufkommen eine der Hauptursachen für den sehr niedrigen Fischbestand.

Reto Leuch holt die Netze ein. Doch die Netze sind längst nicht mehr prall gefüllt. Im Gegenteil.
Legende: Reto Leuch holt die Netze ein. Doch die Netze sind längst nicht mehr prall gefüllt. Im Gegenteil. zvg

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr; zuers

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wie wäre es, wenn für zwei Jahre ein totales Fischereiverbot verhängt würde und die Fischer für diesen Ausfall entschädigt würden und gegebenenfalls auch etwas anderes arbeiten könnten, bis sich der Fischbestand wieder erholt hat? Wenn keine Fische mehr gefangen werden, kann man auch nirgendwo welche essen..
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