Ein Prostitutionsverbot wäre ein Rückschritt für St. Gallen

Im Nationalrat wird über verschärfte Massnahmen gegen den Menschenhandel diskutiert. Auch ein Verbot der Prostitution soll geprüft werden. In St. Gallen kommt diese Idee aber nicht gut an.

Zwei halbnackte Frauen sitzen an der Bar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In St. Gallen treffen sich Prostituierte und Freier in sogenannten Kontaktbars. Keystone

In einem Postulat fordern Nationalräte um die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller schärfere Massnahmen gegen den Menschenhandel im Sexgewerbe. Ein Prostitutionsverbot solle zumindest geprüft werden, heisst es im Text weiter. Verschiedene Parlamentarier aus der Ostschweiz haben den Vorstoss mitunterschrieben.

Abdrängen in die Illegalität

Beim St. Galler Sicherheitsdirektor, Nino Cozzio, kommt das Postulat nicht gut an. Zwar würde er strengere Massnahmen gegen Menschenhändler begrüssen, ein Verbot der Prostitution wäre aber kontraproduktiv. Susanne Gresser von der St. Galler Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen «Maria Magdalena» befürchtet, dass Frauen in die Illegalität abgedrängt würden.

Bordelle statt Strassenstrich in St. Gallen

St. Gallen hatte jahrelang gegen den offenen Strassenstrich gekämpft. In den letzten Jahren wurden von privater Seite verschiedene Bordelle, sogenannte Kontaktbars, eingerichtet. Seither ist es ruhig geworden um das St. Galler Nachtleben. Trotzdem gibt es verschiedene illegale Clubs mit ständig wechselnden, ausländischen Prostituierten. Laut Susanne Gresser steigt deren Zahl stetig an.