Psychisch krank Für das Leben gestempelt

Psychisch Kranke leiden doppelt – unter ihrer Krankheit und der Stigmatisierung. Sie ecken an und werden ausgegrenzt. Vorurteile machen ihnen das Leben schwer. Diese Erfahrung hat auch Hans Schmied gemacht, der über 10 Jahre lang von schweren Depressionen und Suizidgedanken gequält wurde.

Hans Schmid sitzt auf einer roten Holzbank am Wiler Weiher. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hans Schmied: «Wenn du den Gedanken hast, dass du nicht mehr leben möchtest, dann musst du in die Klinik.» SRF KATRIN KELLER

Hans Schmied hat über 11 Mal die Psychiatrische Klinik besucht. Über 10 Jahre lang hat ihn seine psychische Erkrankung gequält. Mit der Unterstützung seiner Frau, der Psychiatrie und den Angehörigen-Organisationen hat er den Weg zurück ins Alltagsleben geschafft. Heute betreut er als sogenannter «Peer Psychiatrie» selber Menschen mit psychischen Problemen. Der Weg bis dahin sei äusserst beschwerlich gewesen. Und auch heute müsse er sich und seiner Psyche Sorge tragen. Vor Rückfällen sei auch er nicht gefeit.

«  Ich bin anders geworden. Meine Qualitäten habe ich zurückbekommen, aber alles geht heute einfach etwas langsamer. »

Hans Schmied
Jahrelang psychisch krank

Jeder zweite Mensch hat im Verlauf seines Lebens einmal eine psychische Störung. Die Sensibilisierung für Mitmenschen mit dem gleichen Schicksal müsste deshalb spürbar vorhanden sein. Studien belegen aber, dass Angst, Unwissen und Vorurteile den Umgang mit psychisch belasteten Menschen bestimmen.

Die VASK, die Vereinigung Angehöriger psychisch Kranker und der Verein Gleich und Anders Schweiz setzen sich daher zum Ziel, der Stigmatisierung von psychisch Kranken entgegen zu wirken. Dazu brauche es Akzeptanz und Toleranz von allen, sagt Edith Scherrer, Leiterin der Angehörigenbetreuung des kantonalen Psychiatrischen Dienstes Wil.

Podiumsdiskussion in Herisau

1,5 Millionen Menschen in der Schweiz haben psychische Probleme. Wer die Krise überwunden hat, muss sein Leben wieder in die eigenen Hände nehmen. Wieder Fuss zu fassen im alltäglichen Leben ist schwer, denn die Krankheit hat verändert. Es wird zur Belastungsprobe auch für die Angehörigen. Hilfe bietet unter anderem die VASK, die Vereinigung Angehöriger psychisch Kranker. Die Kantonal-Sektionen führen regelmässig Informationsveranstaltungen durch.
So findet am 24. Juni im Kino Cinetreff Herisau eine Podiumsveranstaltung zum Thema «Darf ich anders sein?» statt.