Kunst Förderbeiträge «Ich kann gar nicht so gut zeichnen»

Die mehrfach preisgekrönte St. Galler Künstlerin Lika Nüssli gewann im vergangenen Jahr einen ihrer grössten Preise: den Hauptpreis des Comic-Stipendiums fünf Deutsch­schweizer Städte, dotiert mit 30'000 Franken. Ein Gespräch über hoch dotierte Preise und Künstlerfreiheit.

Lika Nüssli ist ein Tausendsassa: Die 43-jährige Künstlerin macht Installationen, Zeichnungen, Malereien, Performances, Live-Zeichnungen, Comics, Illustrationen und Texte. Die Gossauerin studierte Illustration an der Hochschule für Design und Kunst in Luzern.

SRF News: Lika Nüssli in den 16 Jahren, die sie als Künstlerin tätig sind, haben sie rund 80'000 Franken an Preis- und Fördergeldern erhalten. Ist das ihr Lohn?

Lika Nüssli: Ja. Ich habe ein spezielles Konto für diese Gelder. Dort sind sie meine eiserne Reserve. Es gibt immer Monate, in denen ich nichts verdiene, dann bezahle ich mir einen Lohn von diesem Konto aus.

Können Sie leben von Ihrer Kunst?

Ja, das kann ich. Mein roter Faden ist das Zeichnen, ich gebe aber auch Workshops und unterrichte ganz wenig. Damit subventioniere ich quer. Aber was heisst davon leben, ich lebe mit rund 3000 Franken pro Monat. Das ist kein materieller Luxus, aber ich habe den Luxus zu tun, was mich interessiert.

Aktuell arbeiten Sie an einem Comic über Demenzkranke in einem Pflegeheim. Dafür haben Sie ein Comic-Stipendium erhalten. Was ist für Sie der Reiz, Comics zu machen?

Das Bild kann eine spezielle Atmosphäre entstehen lassen, etwas, was man in Worten vielleicht nicht so ausdrücken kann. Dieses Zusammenspiel sollte dem Betrachter den Freiraum lassen, mitzudenken.

Wie erreichen Sie das?

Ich versuche eine Spannung zwischen Text und Bild entstehen zu lassen. Und ich suche nach einer neuen, eigenen Visualität. Meine Bilder sind nicht perfekt, ich kann gar nicht so gut zeichnen.

Das Gespräch führte Rebecca Dütschler.

SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz, 17.30 Uhr