Immer mehr Stiftungen in der Ostschweiz

Entgegen dem schweizerischen Trend hat die Zahl der Stiftungen in der Ostschweiz in den letzten Jahren zugenommen. Aktuell sind es 1'472. Fast sieben von 10 Stiftungen sind in den Kantonen St. Gallen und Graubünden. In der Ostschweiz steht ein Stiftungsvermögen von 4,7 Milliarden zu Verfügung.

Weit über die Hälfte aller Stiftungen sind seit 1990 entstanden, mit einer deutlichen Verdichtung im Raum St. Gallen/Bodensee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weit über die Hälfte aller Stiftungen sind seit 1990 entstanden, mit einer deutlichen Verdichtung im Raum St. Gallen. Ostschweizer Stiftungsaufsichten d. Kt. AI, AR,GL u. GR

Eine Stiftung stellt ihr Vermögen einem gemeinnützigen oder wohltätigen Zweck zur Verfügung. Sie fördert soziale, wissenschaftliche oder kulturelle Themen. Solche Stiftungen gibt es in der Schweiz über 13'000. Allerdings nimmt die Zahl in den letzten Jahren stetig ab.

Die Stiftungen leiden unter der Nullzins-Politik. Weil eine Stiftung seine Projekte aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens finanziert, sind im Moment viele Stiftungen finanziell gelähmt, heisst es im Schweizer Stiftungsreport 2016.

Anders in der Ostschweiz. «Viele Stiftungen in der Ostschweiz finanzieren sich nicht durch das Vermögen, sondern durch Spenden, durch Staatssubventionen oder durch eigene Erträge», sagt Georg Schnurbein von der Universität Basel. «Von der Zinspolitik sind sie darum nicht so stark betroffen.»

Die Fakten auf einen Blick:

  • Per Ende 2015 zählen die Ostschweizer Kantone 1'472 gemeinnützige Stiftungen.
  • Über 66 Prozent der Stiftungen entfallen auf die Kantone St. Gallen und Graubünden.
  • Über 83 Prozent stehen unter kantonalen Aufsichten.
  • Weiter über die Hälte der Stiftungen sind seit 1990 entstanden.
  • Die wichtigsten Tätigkeitsbereiche der Stiftungen sind Kultur und Freizeit.

Seit 1990 ist das Stiftungswesen in der Ostschweiz explosionsartig gewachsen und die gemeinnützigen Stiftungen haben sich nie nur auf die Hauptorte beschränkt, sagt Georg Schnurbein weiter. Die Stiftungen seien zudem bei weitem nicht nur in den Ballungszentren von Bedeutung. Sie förderten mit grosser Vielfalt das Gemeinwesen auch im ländlichen Raum.

«  Im Vergleich wird deutlich, dass sich jeder Kanton durch ein einzigartiges Stiftungswesen auszeichnet. »

Georg von Schnurbein
Professor für Stiftungsmanagement an der Universität Basel

Appenzell Innerrhoden hat ein sehr junges Stiftungswesen und Appenzell Ausserrhoden verfügt über einen inhaltlich sehr breit aufgestellten Stiftungssektor. Glarus ist der einzige Bergkanton der Ostschweiz, wo Umwelt ein wichtiger Stiftungszweck ist.

In Graubünden gibt es viele Stiftungen von internationalen Stiftern und hat nach St. Gallen die zweithöchste Stiftungszahl der Ostschweiz. St. Gallen hat zwar die meisten Stiftungen, jedoch eine geringe Stiftungsdichte.

In den sechs Ostschweizer Kantonen, welche erstmals im Schweizer Stiftungsreport separat aufgeführt sind, steht ein gesamtes Stiftungsvermögen von 4,7 Milliarden Franken zur Verfügung, das sich von 2010 bis 2013 um über 21 Prozent erhöht hat.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schweizer Stiftungen stehen unter Druck

    Aus Tagesschau vom 5.5.2016

    In der Schweiz gibt es über 13‘000 Stiftungen. Allerdings sind in den letzten Jahren viele verschwunden, die verbliebenen müssen nun umso effizienter wirtschaften.