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Die meisten Jugendlichen kommen in einer Krise
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 12.11.2019.
abspielen. Laufzeit 32:09 Minuten.
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Jugendliche in der Krise «Die Eltern denken, sie hätten versagt»

Jedes Jahr betreuen die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD) 3000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren. Die ärztliche Direktorin des KJPD, Suzanne Erb, über ihre Arbeit.

Suzanne Erb

Suzanne Erb

Ärztliche Leiterin KJPD St. Gallen

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Suzanne Erb ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Sie ist ärztliche Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste (KJPD) St. Gallen.

SRF: Wie und wann kommen Jugendliche zu Ihnen? Was ist der Startpunkt?

Suzanne Erb: Das ist sehr unterschiedlich. Bei Jugendlichen - so ab 14 Jahren - ist es selten, dass sie angemeldet kommen wie beim Kinderarzt für eine Kontrolle. Die meisten kommen in einer Krise. Es geht ihnen nicht mehr gut. Sie verletzen sich oder sie sind traurig, niedergeschlagen, schlafen nicht mehr oder sie haben eine Essstörung.

Einzelne – und immer mehr – kommen als Notfall. Das heisst, dass wir am selben Tag eine Konsultation anbieten. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Jugendlicher, eine Jugendliche sagt, sie wolle nicht mehr leben und manchmal auch in anderen psychischen Ausnahmesituationen.

Jugendliche kommen zu Ihnen – was passiert dann?

Meistens kommt ein Jugendlicher oder eine Jugendliche zusammen mit einem Elternteil, mit beiden Eltern, einem Beistand oder einer Sozialpädagogin zu uns. Unser Therapeut oder unsere Therapeutin – das sind Psychologen oder Ärzte mit einer kinderpsychiatrischen Ausbildung – empfängt sie. Man geht in ein Sprechzimmer und dann fragt man, was sie zu uns geführt hat. Man entwickelt im Lauf eines gut einstündigen Gespräches ein Verständnis für das bestehende Problem aus Sicht der Beteiligten. Gleichzeitig versucht man, in einen vertrauensvollen Kontakt zu kommen.

Dieses Vertrauen braucht es, damit die Jugendlichen mitmachen. Wie bauen Sie dieses Vertrauen auf?

Das ist sehr verschieden. Es gibt natürlich Jugendliche, die sehr froh sind, dass sie zu uns kommen können und sich sofort öffnen. Und andere, die sich weigern.

Ja, wie baut man Vertrauen auf? In dem man authentisch ist, niemandem etwas vormacht, sich ernsthaft für die Probleme des Jugendlichen interessiert. Und wirklich in Beziehung tritt, in ein Gespräch, in einen Dialog oder eben einen Trialog.

Trialog indem man die Begleitperson einbindet. Oft sind das die Eltern. Wie erleben Sie die Eltern?

Eltern sind zuerst einmal sehr besorgt. Natürlich haben sie oft keine Freude, dass sie mit ihrem Kind jetzt in den jugendpsychiatrischen Dienst kommen sollen. Sie denken, das sei ein Makel. Oder sie denken, was wohl die anderen denken. Sie denken, sie hätten versagt. Das gehört dazu, und darüber müssen wir reden können.

Wir denken, es ist eine Kompetenz, wenn man sich rechtzeitig Hilfe holt. Leute, die zufrieden und erfolgreich durchs Leben gehen wollen, die holen sich Hilfe. Und das genau in jenem Moment, in dem sie nicht mehr weiterkommen. Und das ist gut, das muss man unbedingt anerkennen. Das ist die Grundlage dafür, dass sich etwas verändern kann.

Und die Eltern sind ja nicht nur vor dem Gesetz verantwortlich für ihr Kind – sie sind auch die wichtigsten Bezugspersonen. Wir müssen im Hinterkopf haben, dass Mutter und/oder Vater schon eine enge mehrjährige Beziehung zum Kind haben. Und das ist bei den Jugendlichen verinnerlicht. Und mit dieser Verinnerlichung lebt er oder sie. Wir müssen diese wertschätzen. Sie ist letztendlich das, was uns unsere innerliche Stabilität gibt.

Das Gespräch führte Annina Mathis.

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