Neue Methode Mit Sitzstreiks die Schüler im Thurgau erziehen

Für den Umgang mit schwierigen Situationen gibt es eine Methode, welche die Schulen im Kanton Thurgau neu praktizieren können. Der Kanton bietet im Rahmen der «Neuen Autorität» Weiterbildungen an.

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Bildlegende: Wenn Schüler andere plagen, sollen sie neu selber zur Einsicht gelangen. Symbolbild Keystone

Um was geht es? Bei grösseren Problemen an einer Schule können Thurgauer Schulen neu Sit-ins, also Sitzstreiks durchführen. Um diese Methode anzuwenden, können Thurgauer Lehrer Weiterbildungen im Rahmen der «neuen Autorität» besuchen. Bei diesen Sitzstreiks warten die Lehrer zusammen mit allen Schülern darauf, dass die fehlbaren Schüler zur Einsicht kommen und Lösungsvorschläge unterbreiten.

Wer hat's erfunden? Die Methode geht auf den indischen Pazifisten Mahatma Ghandi und sein Konzept des gewaltfreien Widerstandes zurück. Auf dieser Grundlage hat der israelische Psychologe Haim Omer sein Konzept der «neuen Autorität» entwickelt. Kernelement dieses Konzeptes sind die Sit-ins. Mit Beharren sollen Kinder und Jugendliche zur eigenen Einsicht ihres Fehlverhaltens gebracht werden. Sie sollen dabei auch selber Lösungsvorschläge entwickeln.

Gibt es Kritik? Der Psychologe und Psychotherapeut Allan Guggenbühl befürwortet zwar, dass Kinder und Jugendliche selbst zur Einsicht ihres Fehlverhaltens finden sollen. Er kritisiert aber, dass Schüler, die unbeteiligt sind, ebenfalls bestraft werden, wenn sie an den Sitzstreiks teilnehmen müssen. Dies hätten ihm auch zahlreiche Rückmeldungen von Eltern gezeigt, die sich darüber beklagen würden, dass ihre Kinder statt in der Schule etwas zu lernen, an Sitzstreiks teilnehmen müssen.