Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Zwei komplett unterschiedliche Gutachten abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 19.06.2019.
Inhalt

Mord auf dem Ricken Gutachter steht in der Kritik

Im Januar 2015 richtete ein heute 40-jähriger Bauer auf dem elterlichen Hof auf dem Ricken ein Blutbad an. Er verletzte den Pächter des Hofes und seinen Vater schwer, seine Stiefmutter prügelte er mit einem Vorschlaghammer zu Tode. Das Kreisgericht See-Gaster verurteilte ihn deshalb wegen mehrfachen versuchten Mordes und Mord zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren mit anschliessender Verwahrung. Bei seinem Urteil stützte sich das Gericht auf ein forensisches Gutachten. Der Gutachter war zum Schluss gekommen, dass der Mann zwar unter einer Persönlichkeitsveränderung leide, aber voll schuldfähig und nicht therapierbar sei.

Kantonsgericht kritisiert Gutachter

Der Verteidiger akzeptierte das Urteil nicht und forderte ein neues Gutachten. Das Kantonsgericht als zweite Instanz holte ein neues Gutachten ein - und kritisierte das erste Gutachten in einer Medienmitteilung: «Für das Kantonsgericht ergaben sich erhebliche Zweifel hinsichtlich der Richtigkeit des psychiatrischen Gutachtens.» Und: «Insgesamt muss ernstlich befürchtet werden, dass der Sachverständige generell nicht in der Lage scheint, eine beschuldigte Person mit der erforderlichen Unvoreingenommenheit zu begutachten.»

Einen Fall, in dem der Gutachter eine derartige Fehlleistung produziert, habe ich noch nie erlebt.
Autor: Paul RechsteinerVerteidiger

Auch der Verteidiger kritisiert den ersten Gutachter massiv. Er habe so eine Fehlleistung noch nie erlebt, sagt der langjährige Strafverteidiger Paul Rechsteiner.

Freispruch dank neuem Gutachten

Der zweitinstanzliche Prozess fand Anfang Juni statt: Das Kantonsgericht stützte sich auf das neue Gutachten und sprach den 49-Jährigen wegen Schuldunfähigkeit frei. Zusätzlich ordnete es die «kleine Verwahrung» an, der Mann wird also therapiert.

Ich würde mich gerne wehren, würde aber sofort verklagt werden.
Autor: Gutachter im Mordprozess

Der kritisierte Gutachter beruft sich auf Anfrage auf seine Schweigepflicht. Er betont jedoch, dass er seine Gutachten immer nach bestem Wissen und Gewissen erstelle. Es sei ein umfassendes Gutachten gewesen, alles Vorliegende sei berücksichtigt worden. «Mit so einem Gutachten beschäftige ich mich intensiv und lange. Es wird so lange verändert, bis ich als Gutachter vom Resultat überzeugt bin und dahinter stehen kann - was unverändert gilt», erklärt er.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von miri koch  (Fujisan)
    2 Anwälte, 3 Meinungen ... Ich wage' zu behaupten, dass in dem geschilderten Fall einzig Gutachter1 Unrecht widerfährt.
    Ich zitiere: «Die Anwendung der Lebenslänglichen Verwahrung verlangt, dass man eine dauerhafte Untherapierbarkeit bis zum Lebensende eines Täters mit 100-prozentiger Sicherheit feststellen können muss. Das ist der falsche Ansatz — wenn man so argumentiert, ist der Paragraf gar nicht anwendbar.»

    Ein solcher Freispruch hat was beunruhigendes an sich ....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Maria Cerletti  (Eugenia)
    Es besteht tatsächlich ein Probelm der Gutachtenreliabilität. Untersucht wurde dies bei psychiatrischen Gutachten welche zur Frage Arbeitsfähigkeit Stellung nehmen . Es zeigt sich dass die Beurteilung des gleichen Falles durch vier verschiedene Gutachter mit ungenügender Uebereinstimmung ausfällt. Siehe Universität Basel RELY
    https://www.unispital-basel.ch/lehre-forschung/ebim-forschung-bildung/rely-studie/&ved=2ahUKEwixorG7rvXiAhUgxMQBHaNNBnMQFjAAegQIBxAC&usg=AOvVaw3J7THcJxAJAFU3KqJTsvGb
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Alles kein Problem, wenn der Gutachter, der jetzt sagt der Mann müsse nicht verwahrt werden, persönlich für seinen Klienten haftet. Flippt er wieder aus und ermordet jemand auf Hafturlaub o.ä. Kommt der Gutachter dann hinter Gitter wegen Beihilfe zu Mord.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
      Wenn Sie diese keines Rechtsstaates würdige Idee zu Ende denken, werden Sie merken, dass das darauf hinauslaufen würde, dass absolut jeder Gewaltverbrecher lebenslang verwahrt werden würde, weil die Gutachter sich vor einer persönlichen Haftung fürchten. Und dann kommt wiederum ein anderer Wutbürger und beschwert sich, dass das alles der Büetzer bezahlen muss. Aber Gewaltverbrecher sind ja eh nur Ausländer, die kann man zum Glück ausschaffen, nicht wahr?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen