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Legende: Audio Berthold Seliger: Grosskonzerne zerstören kulturelle Vielfalt abspielen. Laufzeit 08:39 Minuten.
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 29.05.2019.
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Musikfestivals «Das Musikkonzert spielt nur noch eine Nebenrolle»

Im Musikbusiness herrsche ein «knallharter Verdrängungswettbewerb». Diese Meinung zumindest vertritt Berthold Seliger. Der Berliner ist selbst seit 30 Jahren als Kulturagent tätig und verantwortet Musiktourneen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nun hat Seliger ein Buch über die Musikbranche geschrieben: «Vom Imperiengeschäft – Wie Grosskonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören». Am Dienstag stellte er sein Buch im St.Galler Kulturlokal Palace vor.

Berthold Seliger

Berthold Seliger

Kulturagent

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Im September 1988 veranstaltete Berthold Seliger mit seiner Agentur das erste Konzert. Es war ein ausverkaufter Auftritt von Gerhard Polt. In den folgenden 30 Jahren organisierte der Berliner unter anderem Auftritte für Lou Reed, Patti Smith, Calexico, oder Rufus Wainwright.

SRF-Info: Berthold Seliger, Sie schreiben in Ihrem Buch, das Musikbusiness sei ein Imperiengeschäft. Eine Zahl hat mich erstaunt: Fünf Prozent der Musiker generierten 85 Prozent der weltweiten Konzerteinnahmen.

Berthold Seliger: Das Interessante ist der Umkehrschluss: Für 95 Prozent der weltweit tätigen Musiker bleiben nur 15 Prozent der Einnahmen übrig. Die drei grossen weltweit agierenden Konzerne sind nur noch am Superstar-Geschäft interessiert.

Drei Unternehmen dominieren den globalen Konzertmarkt: Live Nation und AEG aus den USA und CBS Eventim aus Deutschland. Wie ist es zu dieser marktbeherrschenden Stellung gekommen?

Bei Live Nation durch die amerikanische Gesetzgebung. Der «Telecommunication Act» erlaubt es, dass Firmen über ihr Kerngeschäft hinaus agieren können. Die kleine Radiostation Clear Cannel aus San Antonio, Texas, fing an, mit 30 Milliarden Dollar Konzertveranstalter aufzukaufen. Daraus ist später Live Nation entstanden.

Und trotzdem: Sie schreiben, das Konzertgeschäft von Live Nation sei hoch defizitär, im Geschäftsjahr 2017 habe das US-Unternehmen einen Verlust von 94 Millionen Dollar eingefahren.

Das zeigt, dass es den Konzernen nicht mehr ums Konzertgeschäft geht. Mit der Musik machen sie zwar gigantische Verluste. Aber mit dem Ticketing schreiben sie grosse Gewinne. Bei Live Nation sind es beim Ticketing 200 Millionen Dollar Reingewinn. Hinzu kommt das Sponsoring- und Branding-Business, das ebenfalls Gewinn macht. Die Konzerte dienen nur noch dazu, dass man mit dem Ticketing, Branding und Sponsoring viel Geld verdienen kann. Das Musikkonzert als solches spielt nur noch eine Nebenrolle.

Werfen wir den Blick in die Schweiz. Die drei Unternehmen sind auch bei uns tätig. CTS Eventim hält 50 Prozent der Aktien von Ticketcorner, dem Unternehmen aus Rümlang; Live Nation hat vor zwei Jahren das Thurgauer Openair Frauenfeld übernommen und hält das Booking-Mandat am St. Galler Kulturfestival, und AEG Europe eröffnet im September eine Eventhall in Lausanne. Welche Rolle spielen die drei Unternehmen im Schweizer Musikmarkt?

Die Schweiz ist ein spannender Markt. Es ist nicht der wichtigste Markt für diese Firmen. Aber man spricht von einer «Content Pipeline», die man entwickeln will. Da ist natürlich das Schweizer Angebot mit den Ticketing-Firmen, den Konzertanbietern und den Festivals höchst attraktiv.

Das Gespräch führte Michael Breu.

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