St.Gallen will 2017 eine Informatik-Mittelschule einführen

Der St.Galler Regierungsrat will dem Arbeits- und Fachkräftemangel begegnen. Mit einem «Medical Master» soll die Ärzteausbildung auch in der Ostschweiz möglich werden, auch ein Studiengang in Architektur ist bereits in Planung. Nun will der Kanton auch Informatik-Mittelschulen schaffen.

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Bildlegende: Das Massnahmenpaket zum Arbeits- und Fachkräftemangel beinhaltet eine Auslegeordnung, aber auch konkrete Massnahmen. SRF / Michael Breu

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Potential bei den Frauen

«Das Potenzial an Arbeitskräften ist im Kanton St.Gallen bei weitem nicht ausgeschöpft», sagt der St.Galler Volkswirtschaftsdirektor Beni Würth. Besonders bei den nicht- oder teilzeiterwerbstätigen Frauen gebe es noch Potenzial. Männer und Frauen mit Hochschulausbildung seien hingegen bereits zu einem grossen Teil erwerbstätig.

Zuwenig Ärzte, Pflegefachpersonen, Mathematiker, Ingenieure und Informatiker: Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Kantons St.Gallen über den Arbeits- und Fachkräftemangel im Kanton. Schon seit längerer Zeit steht der Mangel an gut ausgebildeten Frauen und Männer im Fokus der Politik. Nun liefert der Kanton St.Gallen erstmals Daten über das Ausmass. Der Fachkräftemangel werde weiter zunehmen, weil weniger Berufsleute aus dem Ausland rekrutiert werden könnten und weil die Bevölkerung immer älter werde, sagt der St.Galler Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth.

Ausbildungsplätze für Architektur, Medizin und Informatik

Konkret will der Kanton St.Gallen dem Arbeits- und Fachkräftemangel mit einem Strauss von Massnahmen entgegenwirken. So ist ein neuer Studiengang in Architektur bereits geplant, ebenfalls weit in der Diskussion fortgeschritten ist die Einführung eines «Medical Master» in der Ärzteausbildung.

Nun will St.Gallen auch in der Informatik vorwärts machen, wie Bildungsdirektor Stefan Kölliker sagt. Geplant ist die Einführung von Informatik-Mittelschulen in St.Gallen, Sargans und Rapperwil-Jona. Ebenfalls soll die Einführung des Informatikunterrichts an der Gymnasien geprüft werden (nachdem dieser vor zehn Jahren aus Spragründen gestrichen wurde), und an den Fachhochschulen sind neue Studiengänge geplant.

Auch an den Fachhochschulen soll die Ausbildung von Informatikern verbessert werden. So ist laut Bildungsdirektor Kölliker an der Fachhochschule St.Gallen ab 2017 ein Masterstudiengang in Wirtschaftsinformatik geplant. Und an der technischen Hochschule HRS Rapperswil werden bestehende Lehrgänge gestärkt. Ebenfalls wolle man die Informatik-Offensive unterstützen, die von der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell vorgeschlagen wurde.

Kantonsrat entscheidet im April 2016

Ein Massnahmenpaket zur Entschärfung des Fachkräftemangels geht nun an das St.Galler Parlament – darunter auch ein Nachtrag zum Mittelschulgesetz, der die Einführung der Informatikschulen ermöglichen soll. Das Paket wird im April 2016 vom Kantonsrat erstmals diskutiert, umgesetzt werden könnte die Mittelschule auf das Schuljahr 2017/18.