St. Galler Kommandant der Schweizer Garde entlassen

Der Papst hat den Kommandanten der Schweizer Garde Daniel Rudolf Anrig entlassen. Der St. Galler bleibt bis zum 31. Januar 2015 im Amt und wird dann ersetzt. Laut Medienberichten war Anrig zu streng mit seinen Gardisten.

Kommandant der Schweizer Garde in Uniform. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Daniel Rudolf Anrig bei seinem Amtsantritt als neuer Kommandant der Schweizer Garde im November 2008 im Vatikan. Keystone

Papst Franziskus habe Anrigs Amtsverzicht angenommen. Ein Auszug aus dem Bericht der vatikanischen Tageszeitung «Osservatore Romano» war am Mittwoch unter anderem auf der Facebook-Seite der Schweizergarde aufgeschaltet. Einen Nachfolger nannte die Zeitung nicht.

Gemäss übereinstimmenden Medienberichten soll Christoph Graf auf Anrig folgen. Der gebürtige Pfaffnauer (LU) Graf gehört seit 27 Jahren zur päpstlichen Wachtruppe und ist seit Oktober 2010 ihr Vizekommandant.

Zu streng?

Der 42-jährige Anrig leitete die Schweizergarde seit dem 1. Dezember 2008. Er war wie im Vatikan üblich zunächst für fünf Jahre bestellt worden. 2013 war seine Amtszeit verlängert worden. Laut der römischen Tageszeitung «Il Messaggero» beschloss der Papst, Anrig zu ersetzen, weil es offenbar Unmut unter den Schweizergardisten gab, wegen der strengen Disziplin des Kommandanten.

Die 120 Gardisten seien zu anstrengenden und langen Wachzeiten gezwungen. Christoph Graf, der mutmassliche Nachfolger Anrigs, sei weniger streng und könne mit den jungen Schweizergardisten väterlicher Umgehen, berichtete das Blatt.

Gemäss der italienischen Nachrichtenagentur ANSA sorgte Anrig ausserdem für Kritik, weil er eine grosse Wohnung über der Kaserne der Schweizergarde eingerichtet hatte. Die Ankündigung, dass Anrig ersetzt wird, erfolgte während des Ad Limina-Besuchs der Schweizer Bischöfe im Vatikan. Dies wird von Vatikan-Insidern nicht als Zufall betrachtet

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Daniel Anrig: Sein Leben im Vatikan

    Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 26.12.2009

    Der Kommandant der Schweizer Garde in Rom, Daniel Anrig, ist während der Abendsendung live aus Rom dem Regionaljournal Ostschweiz zugeschaltet. In der Serie "Säget sie wiä läbet Sie" erzählt er über seinen Alltag im Vatikan, sein Leben mit der Familie und der Garde.

    Daniel Anrig berichtet auch, wie er Weihnachten mit der Familie gefeiert hat, wie er die Welt zwischen "Vatikan und Rom" erlebt und was er sich für die Zukunft wünscht. Im Gespräch mit DRS-Redaktor Pius Kessler äussert sich Anrig zudem über den jüngsten Zwischenfall mit dem Papst.

    Pius Kessler