Stadt St. Gallen spart bei den Lehrern

Erst ab dem dritten Krankheitstag darf ein Lehrer durch einen Stellvertreter ersetzt werden. Vorher müssen die Schulen der Stadt St. Gallen eine interne Lösung finden. Damit will die Stadt 525'000 Franken sparen. Gegen diese Massnahmen oponieren Lehrkräfte und Eltern.

Kurz vor den Herbstferien hat die städtische Schulverwaltung den Schulleitern mitgeteilt, dass ab 1. Oktober 2014 eine neue Stellvertreter-Regelung in Kraft trete. Neu soll eine kranke Lehrkraft erst ab dem dritten Tag durch einen Stellvertreter ersetzt werden. Davor müssen die Schulen den Unterricht mit eigenen Lehrkräften gewährleisten. Mit dieser Regelung will die Schulverwaltung 525'000 Franken sparen.

Unterricht kommt zu kurz

Dies stösst bei Lehrern und Eltern auf Widerstand. Mit der Einführung der Blockzeiten vor 17 Jahren sei klar festgehalten worden, dass der Unterricht nicht ausfallen dürfe. Wenn nun eine Lehrkraft plötzlich zwei Klassen betreuen müsse, so komme der Unterricht zu kurz, sagen besorgte Eltern. Auch sei es möglich, dass Kinder ausserhalb der Blockzeiten – zum Beispiel am Nachmittag – vom Unterricht frei gestellt und nach Hause geschickt würden.

Nicht verantwortungsvoll

Lehrer befürchten einen Mehraufwand, der zu Burnout führen könne. Auch sei es nicht möglich, zwei Klassen gleichzeitig zu unterrichten und dabei den Berufsauftrag verantwortungsvoll zu erfüllen. «Es ist falsch, auf dem Buckel der Lehrerinnen und Lehrer zu sparen», kritisiert Olivia Rudin vom Lehrerverband St. Gallen im Gespräch mit Stadtrat Markus Buschor und Suzana Todorovic, Vertreterin der Elternvereine. Im «Regionaljournal Ostschweiz» auf SRF 1 verteidigte Buschor die Massnahme der Behörde: «Ich erwarte von den Teams kreative Lösungen.»

Nun lobbyieren Lehrerverbände und Elternforen bei den Stadtparlamentariern, die am 9. Dezember über das Budget 2015 beraten und sich dabei mit den Sparmassnahmen auseinander setzen müssen.