Tanktourismus: Der Wind hat gedreht

Früher kamen Tanktouristen aus Konstanz und füllten den Tankstellen in Kreuzlingen die Kassen. Seit der Aufhebung des Euromindestkurses ist alles anders: Nun strömen Schweizer Automobilisten über die Grenze und überrollen die Konstanzer Tankstellen.

Die Stimmung in Konstanz ist gereizt: «Die Schweizer verstopfen unsere Strassen, an den Tankstellen bilden sich lange Warteschlangen», klagt ein Konstanzer Autofahrer an einer Tankstelle ausserhalb der Stadt. Vorher war die Ausgangslage eine andere: Treibstoff war bis vor kurzem im Ausland günstiger als in der Schweiz. Grenzregionen in der Schweiz profitierten von Ausländern, die aus Deutschland, Frankreich und Italien in die Schweiz kamen, um ihre Autotanks zu füllen. Das ist seit der massiven Erstarkungen des Frankens vorbei.

Vorher beschwerten sich Kreuzlinger über Konstanzer

Autos mit Konstanzer Kennzeichen prägten bis vor kurzem das Bild an Tankstellen in Kreuzlingen. Die Folge davon waren viel Verkehr und Staus in der Innenstadt. In einer Archivaufnahme von Schweizer Radio SRF aus dem Sommer 2010 beklagt sich der Kreuzlinger Gemeinderat Christian Forster: «Die Deutschen sind Rappenspalter. Wir haben genug von diesen Deutschen Tanktouristen.» Heute – fünf Jahre danach – klingt es ähnlich: Nicht auf der Schweizer aber auf der Deutschen Seite der Grenze.