Schockbilder aus Pferdezucht Thurgauer Bauer zeigt nach Quäl-Vorwürfen seinen Betrieb

«Schweiz aktuell» hat den beschuldigten Thurgauer Bauern auf seinem Hof besucht. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft ist anderer Meinung.

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Besuch beim beschuldigten Pferdezüchter

2:05 min, aus Schweiz aktuell vom 4.8.2017

Die Vorwürfe an den Pferdezüchter im Thurgauer Hefenhofen wiegen schwer: Er soll seine Tiere quälen und verhungern lassen. Die Bilder sollen von einer ehemaligen Mitarbeiterin stammen. Sie zeigen Pferde, die bis auf die Rippen abgemagert sind oder tot im eigenen Dreck liegen. Jetzt hat die ehemalige Mitarbeiterin den Pferdezüchter angezeigt.

Wir besuchen den Beschuldigten auf seinem Hof. Anstandslos lässt uns Ulrich Kesselring auf seinen Betrieb: «Für mich ist das kein Problem. Wer zu mir kommt und anständig fragt, kann meine Tiere jederzeit anschauen.»

Als erstes zeigt uns der Bauer den Kuhstall. Auf den ersten Blick sehen die Tiere nicht abgemagert und ungepflegt aus. Hinter dem Stall stossen wir dann auf Berge von hartem Brot. Dass es manchmal verschimmelt ist, wie es die Fotos der ehemaligen Mitarbeiterin zeigen, streitet Kesselring gar nicht ab: «Das kommt vor. Das gibt es in jedem Haushalt, dass Brot einmal angraut. Aber das bringt niemanden um.»

«  Das gibt es einfach. Wenn zehn Frauen schwanger sind, hat auch da eine mal eine Frühgeburt oder eine Totgeburt. »

Pferdezüchter Kesselring
Zu den Bildern toter Pferde auf seinem Hof

Noch während wir filmen kommt der Gemeindeammann vorbei. Er will mit dem Bauern über die Vorwürfe der letzten Tage sprechen. Der Gemeindeammann ist öfter auf dem Hof. Aber tote Tiere, wie man sie auf den Fotos sieht, habe er noch nie angetroffen: «Ich will Herrn Kesselring weder in Schutz nehmen noch irgendjemanden vorverurteilen. Es gilt gleiches Recht für alle. Es muss sauber und objektiv abgeklärt werden, ob die Fotos wirklich alle hier gemacht wurden.»

Staatsanwalt hält Bilder für glaubwürdig

Genau das hat die Staatsanwaltschaft gemacht. Für sie ist klar: Die Fotos sind in den letzten neun Monaten entstanden. Und: «So wie mir die Verhältnisse vor Ort bekannt sind, gehe ich tatsächlich davon aus, dass die Fotos auf dem Hof des Beschuldigten gemacht wurden», sagt Stefan Haffter, Sprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau.

«  Ich gehe davon aus, dass die Fotos auf dem Hof des Beschuldigten gemacht wurden.  »

Stefan Haffter
Sprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau

Die Bilder zeigen den aufgedunsenen Kadaver eines Pferdes, ein totes Tier mit aufgerissenen Nüstern. «Ich hatte schon tote Fohlen», sagt der Beschuldigte. «Das gibt es einfach. Wenn zehn Frauen schwanger sind, hat auch da eine mal eine Frühgeburt oder eine Totgeburt.»

scheinbar totes Fohlen am Boden Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bilder seien in den letzten neun Monaten auf dem Hof des Beschuldigten gemacht worden, sagt die Staatsanwaltschaft. VgT

Sind Kadaver auf einem Hof normal?

Laut Experten des Bundes ist es nicht einfach gegeben, dass in einer Pferdezucht tote Tiere herumliegen. Auf den Einwand, dass ihn das Bundesgericht bereits einmal rechtmässig als Tierquäler verurteilt habe, antwortet er: «Insgesamt gibt es bis jetzt sechs Bundesgerichtsentscheide. Davon bekamen wir vier mal recht, einmal halb recht und einmal wurden wir verurteilt.»

Aber: Das Bundesgericht hat Kesselring als Tierquäler verurteilt. «Das ist so», sagt er. Jetzt stehen neue Untersuchungen an. Bis zu deren Abschluss gilt für den Bauern die Unschuldsvermutung.