Thurgauer Littering-Bussen nützen nur bedingt

Der Bundesrat will für jene, die den Zigarettenstummel fallen lassen, den Kaugummi ausspucken oder die Sandwich-Verpackung liegen lassen, eine Busse von bis zu 300 Franken einführen. Der Kanton Thurgau kennt solche Bussen für Littering seit Jahren. Die Erfahrungen damit sind durchzogen.

Ruedi Fitze und sein Kollege sind mit einem orangefarbenen Lieferwagen unterwegs. Sie arbeiten beim Werkhof der Stadt Frauenfeld. Auf dem Bahnhofplatz müssen 20 Abfalleimer geleert werden.

«Später kommt noch jemand mit dem Handwagen vorbei, der die ‹Fötzeli› aufliest. Auf dem ganzen Platz um den Bahnhof werden mit einem Laubbläser die Zigarettenstummel zusammengetragen. Dann kommen die Wischmaschinen vorbei und nehmen die ganze ‹Sauordnung› wieder auf.» So gehe das jeden Tag, erzählt Fitze.

Nie endender Teufelskreis aus Müll

Ein grosser Aufwand: In der Stadt Frauenfeld mit knapp 25'000 Einwohnern sind vier Personen nur dafür angestellt, Liegengebliebenes zusammenzulesen und Abfalleimer zu leeren. «Es ist einfach so und man macht es», sagt Fitze.

«Am Anfang regte ich mich etwas auf. Aber viel dagegen machen kann man nicht. Den Leuten kann man es immer wieder sagen. Die einen lernen es. Aber dann rücken neue Leute nach, die es nicht können. Es ist ein Teufelskreis.»

Amt für Umwelt setzt auf Abschreckung

Vor acht Jahren hat der Kanton Thurgau eine grosse Anti-Littering-Kampagne gestartet, mit Informationen, Sensibilisierung und Prävention. Und es wurden auch Bussen eingeführt. Martin Eugster vom Thurgauer Amt für Umwelt findet das nach wie vor eine gute Sache: «Bussen haben vielleicht eine abschreckende Wirkung.»

Die Bussen zeigten, dass eine Übertretung einer Verhaltensnorm stattfindet, so Eugster. «Dass die Gesellschaft das nicht akzeptiert, dass man Littering nicht möchte und es deshalb als illegal abstempelt wird.»

Die Kantonspolizei Thurgau hat letztes Jahr gut 140 Littering-Bussen verteilt. Was das genau gebracht hat, hat der Kanton nie genauer untersucht. Der Aufwand dafür sei zu gross. «Ich glaube schon, dass sich etwas gebessert hat», glaubt Eugster.

Bussen alleine sind kein Allheilmittel

«Die Frage ist natürlich auch, was wäre passiert, wenn wir gar nichts getan hätten?» Eugster kann sich vorstellen, dass das Problem noch grösser wäre. Die Rückmeldungen aus den Gemeinden zeigten immerhin: «Es ist nicht grösser geworden.»

Bussen alleine seien aber nicht das Allheilmittel, sagt Eugster: «Aus meiner Sicht ist es am wichtigsten, dass man Massnahmen lokal plant, das heisst, dass man für Gemeinden, an einem bestimmten Platz, ganz spezifische Massnahmen definiert. So wird das Littering am effektivsten bekämpft.»

Der Kanton führt regelmässig ein Littering-Forum durch. Dort tauschen sich Gemeindevertreter mit Experten aus. Und es wurde auch eine sogenannte Littering-Toolbox im Internet aufgeschaltet, in der sich die Gemeinden Tipps holen können.

Die Werkhofmitarbeiter in Frauenfeld sind mittlerweile bei einer Grillstelle am Waldrand angekommen. Am Boden liegen leere Zigarettenpäckchen, Kartonreste und Plastikfolien. «Das hat sich jetzt innerhalb einer Woche angesammelt. Wir hatten schlechtes Wetter, und doch liegt schon wieder Zeug herum», sagt Fitze.

«Ware liegt wie eh und je neben dem Kübel»

Fitzes Kollege Hans Ehrbar macht diese Arbeit bereits seit 33 Jahren. Eine Verbesserung dank der Littering-Kampagne oder der Bussen hat er nicht gespürt: «Die Ware liegt genau gleich auf dem Boden, neben dem Kübel. Die Leute stehen nicht mehr auf, um sie korrekt zu entsorgen. Von mir aus gesehen ist es gleich geblieben wie eh und je.» Im letzten Jahr sind alleine in der Stadt Frauenfeld 155 Tonnen Abfall zusammengekommen.

Ob der Bund auf nationaler Ebene eine Littering-Busse einführt, ist noch nicht klar. Das Gesetz wird erst im Parlament behandelt.