Weniger fordern, statt mehr fördern?

Der Bedarf nach pädagogischen Sondermassnahmen sei in den letzten Jahren angestiegen. Die hohen Ansprüche an die Kinder, haben Auswirkungen auf die Kosten der Schulgemeinden. Denn obwohl der Kanton St. Gallen einen Richtwert für die Anzahl Lektionen pro Schule gibt, zahlen muss die Schulgemeinde.

Ein Schüler ist schlecht in der Mathematik. Das Rechnen bereitet ihm Mühe. Er versteht nicht warum es von 99 auf 100 wechselt. Der Lehrer kann dem Schüler bis zu 40 Lektionen Zeit geben, um dies zu verstehen. Falls er es bis dahin nicht nachvollziehen kann, so wird eine psychologische Abklärung durchgeführt. Diese verordnet dann vielleicht zwei Lektionen in der Woche Mathematiknachhilfe. Die Schule muss diese Lektionen dann gewährleisten.

Die Anzahl Lektionen welche die Schule für alle Kinder zur Verfügung hat, wird durch den Kanton St.Gallen vorgegeben. Diese Zahl errechnet sich aus der Schülerzahl und dem Sozialindex, in welchem bespielsweise der Ausländeranteil enthalten ist.

Bedarf steigt mit Ansprüchen

Die Gemeinde Andwil-Arnegg verzeichnet einen markanten Finanzbedarf der Schulgemeinde. Um 4 Millionen Franken ist der Betrag in den letzten 14 Jahren gestiegen. Dies liege unter anderem daran, dass der Bedarf nach Fördermassnahmen gestiegen sei, so Gemeindepräsident Dominik Gemperli gegenüber dem «Regionaljournal Ostschweiz». Statt Individualität zähle heute Normalität und Gleichheit. Statt einem Schüler Zeit zu lassen, verschreibe man Sondermassnahmen, obwohl die Kinder heutzutage nicht viel anders sein können, als die Kinder von früher, mutmasst Gemperli.

Der Bedarf nach Födermassnahmen habe in den letzten Jahren zugenommen, sagt auch der Präsident der St. Galler Schulleiter Freddy Noser. Die Ansprüche seien von allen Seiten gestiegen und verlange den Schulkindern mehr ab. Dies könne teils nur dank Sondermassnahmen erfüllt werden.

Nicht so dramatisch sieht es das Amt für Volksschule im Kanton St.Gallen: Man habe zwar teils die Anzahl Lektionen anpassen müssen, aber dies sei normal, so Amtsleiter Rolf Rimensberger.