Zehn Jahre Mocmoc in Romanshorn

Vor zehn Jahren spaltete ein schwaz-gelbes Fabelwesen aus Plastik das Städtchen Romanshorn. Die Kunstfigur Mocmoc, die viele Leute an ein Pokémon erinnert, polarisierte. Und brachte den Gemeinderat in einen Erklärungsnotstand.

Der gelbschwarze Mocmoc, im Hintergrund der Bahnhof Romanshorn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Fabelwesen sorgte weit über die Kantonsgrenzen hinaus für Schlagzeilen. Keystone

Eine bunte Schar von Romanshornern wartete gespannt darauf, bis das weisse Tuch weggezogen wurde. An einem sonnigen Samstagmorgen war es soweit, das Geheimnis wurde gelüftet: Mocmoc strahlte und winkte von seinem Sockel auf dem Bahnhofsplatz herunter. Ein Grossteil der Einwohner von Romanshorn war schockiert. Diese merkwürdige schwarz-gelbe Comicfigur aus Plastik sollte das neue Wahrzeichen von Romanshorn sein?

Erst war es das Aussehen von Mocmoc, das die Romanshorner Bevölkerung verärgerte. Aber daran hätte sie sich wohl irgendwann gewöhnt - wäre Mocmoc nicht zum Politikum geworden. Just zu seiner Einweihung wurde bekannt, man habe im Gemeindearchiv ein Dokument von 1930 gefunden. Das Dokument sei die Legende von Mocmoc und zugleich die Gründersaga von Romanshorn. Doch die Geschichte war frei erfunden, von den Machern von Mocmoc, dem Künstlerduo Comcom. Und der Gemeinderat war eingeweiht.

Nun kochte die Volksseele endgültig über. An einer Gemeindeversammlung mit 700 Leuten liessen die erbosten Romanshorner ihren Gefühlen freien Lauf. Zur Freude der nationalen und internationalen Medien, die augenzwinkernd über die Posse berichteten. Später wurde gar darüber abgestimmt, ob Mocmoc den Bahnhofplatz verlassen sollte. Mit einer Stimmbeteiligung von 56 Prozent, rekordverdächtig. Heute, 10 Jahre später, steht Mocmoc noch immer an seinem angestammten Platz. Die Romanshorner, so scheint es, haben sich mit ihm arrangiert.