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Legende: Audio Unterwegs auf der Spitteler-Führung in Luzern mit Claudia Lang abspielen. Laufzeit 05:26 Minuten.
05:26 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 09.04.2019.
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100 Jahre Literatur-Nobelpreis Auf den Spuren von Carl Spitteler in Luzern

Eine neue Führung zeigt, wie Spitteler in den 32 Jahren in Luzern wirkte, womit er aneckte, wie er tickte.

2019 jährt sich die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an den Schweizer Autor Carl Spitteler zum 100. Mal. Den Preis bekam er 1919 für seinen Epos «Olympischer Frühling», 20'000 Verse lang. In der gesamten Schweiz sind heuer aus diesem Anlass Veranstaltungen in den Bereichen Literatur, Theater, Musik und Wissenschaft geplant, die sich mit dem vielfältigen Werk Spittelers auseinandersetzen.

Auch in Luzern ist einiges geplant:

Luzern Tourismus nimmt das runde Jubiläum zum Anlass für eine neue Führung – unter dem Titel «Marktbesuch mit dem Nobelpreisträger». Der zirka zweistündige Rundgang vermittelt einen Einblick in das Leben und Schaffen des Wahl-Luzerners Carl Spitteler. Man besucht Orte, welche für Carl Spitteler von Bedeutung waren oder die noch heute von ihm zeugen.

Angefangen am Carl-Spitteler-Quai, entlang des Vierwaldstättersees. Dieser wurde nach Spittelers Tod zu dessen Ehren benannt und ist wohl jene Spur in Luzern, die am ehesten einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist.

Er konnte auch mal einen Kinofilm dreimal nacheinander schauen.
Autor: Claudia LangTourenführerin Luzern Tourismus

Ein Menschenfreund, der auch aneckte

Carl Spitteler war regelmässig am Markt anzutreffen, wie Claudia Lang schildert. Sie ist Stadtführerin im Auftrag von Luzern Tourismus: «Er kaufte stets mit zwei oder gar drei Körben ein. Manchmal kaufte er auch gleich 30 Eier aufs Mal. Den Marktleuten gab er viel Trinkgeld, damit diese sich in der kalten Jahreszeit auch mal mit einen Kaffee aufwärmen konnten.» Und auf dem Heimweg habe es dazugehört, dass sich Schüler oder Bekannte aus Spittelers Körbchen bedienen konnten.

Schwarzweissbild des Schriftstellers Carl Spitteler auf dem Wochenmarkt in Luzern.
Legende: Auf dem Markt war Spitteler ein gerne gesehener Kunde. Nachlass Carl Spitteler, Schweizerisches Literaturarchiv Bern

Für kritische Blicke sorgte Carl Spitteler zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern jeweils beim Baden. Von seiner Zeit in Russland war er es gewohnt, dass man nicht bis oben zugeknöpft in die Badi ging. Und auch das damalige «Skandal-Bad» in Weggis, wo Männer und Frauen zusammen badeten, besuchte die Familie Spitteler regelmässig.

Historisches Bild, das den Schweizer Schriftsteller Carl Spitteler und dessen Familie in einem Freibad zeigt.
Legende: Carl Spitteler und dessen Familie im Freibad - für einige zu freizügig. Nachlass Carl Spitteler, Schweizerisches Literaturarchiv Bern

Eine besondere Vorliebe hatte Carl Spitteler für Kinofilme. «Er konnte einen Film dreimal nacheinander schauen oder fünfmal die Woche ins Kino gehen. Dann aber wieder monatelang nicht mehr», beschreibt Claudia Lang das Wesen Spittelers. Allerdings hätten ihn weniger die Handlungen als vielmehr beispielsweise die Produktions-Technik eines Films interessiert.

Carl Spitteler war 1924 der Erste, der in Luzern kremiert wurde.
Autor: Claudia LangTouren-Führerin Luzern Tourismus

Carl Spitteler setzte sich denn auch dafür ein, dass Kinos subventioniert würden – gleich wie das Luzerner Theater. Damit fand er aber kein Gehör. Zu niedrig war das Ansehen von Kinofilmen. Sie galten gemeinhin als Schund.

Nicht nur für Kinos machte sich der Nobelpreisträger stark. Ab 1902 setzte er sich, zusammen mit dem Verein «Freunde der Gleichgesinnten» dafür ein, dass Luzern ein Krematorium erhält. Mit Erfolg: Anfang 1924 schliesslich begann der Bau des Krematoriums im Friedental – just zum Tode Spittelers im gleichen Jahr war die Anlage bereit. So wurde Carl Spitteler als Erster in Luzern kremiert.

Carl Spittelers Kurzbiografie

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Carl Spitteler wurde 1845 in Liestal im Kanton Basel-Landschaft geboren. Nach Abschluss des Theologie-Studiums ging er nach St. Petersburg, wo er acht Jahre lang als Hauslehrer arbeitete.

In die Schweiz zurückgekehrt, veröffentlichte er 1880 sein erstes literarisches Werk, das Epos «Prometheus und Epimetheus». Er unterrichtete an höheren Schulen in Bern, Zürich und La Neuveville und schrieb zahlreiche Feuilleton-Beiträge für Zeitungen im In- und Ausland. 1883 heiratete er Maria op den Hooff, mit der er zwei Töchter hatte.

Die Familie zog 1892 nach Luzern, wo Spitteler als freier Schriftsteller tätig war. Seine Rede «Unser Schweizer Standpunkt» trug ihm national und international Lob wie auch Kritik ein.

1920 erhielt er, rückwirkend auf das Jahr 1919, den Nobelpreis für Literatur. Spitteler starb 1924 in Luzern. (Quelle: Verein «Carl Spitteler – 100 Jahre Literatur-Nobelpreis»)

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