Hungerkrise in Nidwalden «Arme Leute grasten wie Vieh auf der Wiese»

Ein Vulkanausbruch in Indonesien führte vor 200 Jahren zur letzten grossen Hungersnot in Europa und der Schweiz. In Nidwalden begannen die Menschen, alles Essbare zu verspeisen: «Manche grasten wie Vieh auf der Weide», sagt der Historiker Daniel Krämer. In Stans wird nun der Not gedacht.

Eine Zeichung zur Hungerkrise von 1817. Sie zeigt den Hunger der armen Leute und den Protz der Reichen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosse Diskrepanz zwischen Armen und Reichen während der Hungerkrise 1817. Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, Gr.Inv.A.B.1111

Auslöser der Hungerkrise war der gewaltige Ausbruch eines Vulkans in Indonesien im April 1815. Die Eruption kostete 100'000 Menschen das Leben und bewirkte eine Abkühlung des globalen Klimas. 1816 wurde zu einem nassen und kalten «Jahr ohne Sommer». «Im August musste in Stans geheizt werden», sagt der Historiker Daniel Krämer, der diese Geschichte intensiv erforscht und eine Dissertation dazu verfasst hat.

Im folgenden Jahr kam es in weiten Teilen Europas und der Schweiz zu einer Hungersnot. Vor allem arme Menschen seien gezwungen gewesen, alles zu verspeisen, was essbar schien, sagt Krämer im Gespräch mit Radio SRF: «Es gibt Berichte, wonach Menschen wie Vieh auf der Weide grasten.» Auch Diebstähle von Lebensmitteln häuften sich – und wurden von der Obrigkeit drakonisch bestraft.

Hungersuppe und Schlemmermahl

Mit einem Erinnerungstag am 11. Februar wollen der Historische Verein Nidwalden und das Kulinarische Erbe der Alpen dieser Hungersnot gedenken. Auf einem Rundgang durch Stans wird aber nicht nur die Krise thematisiert, sondern auch der «normale Essalltag» früherer Zeiten.

Zum Mittagessen wird eine «Hungersuppe» serviert, gekocht nach einem Not-Rezept aus dem Jahr 1817. Und als Gegensatz dazu steht am Abend ein Schlemmermenue auf dem Speisezettel, das mit «Hungergelage» umschrieben ist.