Aufhebung des Euro-Mindestkurses beschäftigt auch ein Jahr danach

Genau vor einem Jahr gab die Schweizerische Nationalbank ihren Entscheid zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses bekannt. Es folgten unverständliche, teils harsche Reaktionen der Wirtschaft und der Banken. Ein Jahr später kann man die Folgen des Entscheids auch in der Zentralschweiz besser abschätzen.

Der Kurssturz des Euro zum Schweizer Franken am 15.Januar 2015 in einer Grafik dargestellt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Kurssturz des Euro zum Schweizer Franken am 15.Januar 2015 in einer Grafik dargestellt. SRF

In der Zentralschweiz befürchtete die Tourismusbranche, dass ihr die wichtigen europäischen Märkte wegbrechen, weil sich die Leute Ferien in der Schweiz nicht mehr leisten könnten. Exemplarisch dafür steht Engelberg, wo gerade deutsche Touristen wichtig sind.

Man habe nach dem Entscheid der Nationalbank die Strategie ändern und noch vermehrt auf andere Märkte wie Skandinavien oder Asien setzen müssen. «So konnten wir die Rückgänge abfedern. Die Geschäftszahlen sehen nicht zuletzt dank dem heissen Sommer gut aus», sagt der Direktor der Engelberg-Titlis Tourismus AG, Frédéric Füssenich.

«Besonders exportorientierte Wirtschaftsbetriebe stehen unter Schock. Sie wissen nicht, wie sie diesen Kurssturz verkraften sollen», sagte Felix Howald, der als Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz vor einem Jahr sehr viele Anrufe von beunruhigten Mitgliedern erhalten hatte. Heute sehe er, dass es wohl doch nicht der schlechteste Moment gewesen sei, um den Mindestkurs aufzuheben, sagt Howald weiter.

Viele Unternehmen, die in den Euroraum exportieren, hätten schwierige Zeiten zu meistern. Dies bestätigt auch der Chef der Zuger Kantonalbank, Pascal Niquille. «Sie wollen deshalb öfters eine Währungsabsicherung von uns, um mehr Planungssicherheit zu haben», sagt er. Für die Bank selber sei der Nationalbank-Entscheid die kleinere Herausforderung als die Einführung von Negativzinsen.