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Die «Möuch» macht noch keinen Nidwaldner
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 26.05.2020.
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Ausstellung zur Mundart Sagen Sie «Melch» oder «Möuch»?

Das Nidwaldner Museum zeigt ab Dienstag die Ausstellung «Heepä, giggele, gäitsche», Link öffnet in einem neuen Fenster im Salzmagazin im Kantonshauptort Stans. Sie macht die Vielfalt der Schweizer Dialekte zum Thema. Wir haben sie vorab besucht und sprachen mit Stefan Zollinger, dem Leiter des Nidwaldner Museums. Er erklärt, weshalb es speziell ist, dass bei uns auch die Gescheiten im Dialekt sprechen; oder, weshalb sich die Nidwaldner nichts auf ihre Aussprache von «Milch» einbilden müssen. Nachfolgend vier Erkenntnisse zur Schweizer Mundart.

Stefan Zollinger
Legende: Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums, hat dem Schweizerdeutschen eine neue Ausstellung gewidmet. Keystone

Wer was im Kopf hat, spricht Hochdeutsch. «Viele Schweizerinnen und Schweizer sind sich gar nicht bewusst, was für einen speziellen Zugang zu unserem Dialekt wir haben», sagt Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums. In Deutschland oder Österreich etwa liesse der Dialekt Rückschlüsse auf das Bildungsniveau einer Person zu. «Die gebildeteren Leute sprechen eher in Hochsprache, die weniger gebildeten im Dialekt», so Zollinger. Nicht so in der Schweiz. «Wir haben Freude an unseren Dialekten.» Dafür kämen wir eher ins Hadern, wenn Schriftsprache verlangt wird.

Die «Möuch» macht noch keinen Nidwaldner. Die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen dem Nidwaldner und dem Obwaldner Dialekt sind seit jeher ein Grund für Sticheleien zwischen den Einwohnern der beiden Kantone. In einem Fall würden die Diskussionen jedoch völlig ungerechtfertigt entbrennen, meint Zollinger. «Die Nidwaldner denken, es sei schon immer so gewesen, dass sie ‹Möuch› sagen, die Obwaldner hingegen ‹Melch›. Doch dem ist nicht so.» Bis in die 1950er Jahre habe in Nidwalden noch niemand «Möuch» gesagt, das würden Aufnahmen des Schweizer Sprachatlas beweisen. «Das kommt aus dem Bernischen und hat gegen Ende des 20. Jahrhunderts in Nidwalden Einzug gehalten», stellt Zollinger richtig.

Mann auf Schaukel
Legende: «Riitiseili» oder «Riitigampfi»? Die Ausstellung zur Schweizer Mundart im Salzhaus dauert bis am 1. November 2020. Keystone

Sprachliche Minderwertigkeitskomplexe. Vier verschiedene Stimmen führen die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung im Salzhaus, an verschiedenen Orten kann man ihnen lauschen und zuhören, welches Verhältnis sie zur Mundart haben. Eine davon ist Renate Metzger. Sie habe einen speziellen Zugang zum Schweizerdeutschen, erzählt sie. «Meine Muttersprache ist das Hochdeutsche.» Das Schweizerdeutsche habe sie sich aneignen müssen wie eine Fremdsprache. «Dabei ist mir jedoch auch aufgefallen, dass den Schweizern das Hochdeutsche eine Fremdsprache ist. Viele sprechen es nur widerwillig, weil sie das Gefühl haben, sie drückten sich weniger eloquent aus als die Deutschen. Deshalb sprechen sie lieber Schweizerdeutsch, auch wenn es niemand versteht.»

«Gopferdelli» flutscht besser als «Gottverdammt». Natürlich gibt es Schweizer, die sich ein perfektes Hochdeutsch angeeignet haben und keine Gelegenheit auslassen, dies zu zeigen. Doch: In besonders emotionalen Momenten entlarvt sich auch der eloquenteste Theaterschauspieler. «Geflucht wird in der Muttersprache», meint Stefan Zollinger. «Die Schweizer Mundart eignet sich zudem wunderbar zum Fluchen.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 26.05.2020, 17:30 Uhr;

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