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Legende: Audio Huber-Hotz: «Auch in der Schweiz gibt es Elend» abspielen. Laufzeit 08:14 Minuten.
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 24.06.2019.
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Beamtenkarriere einer Baarerin «Neben Karriere und Familie bleibt keine Zeit für Yoga»

Annemarie Huber-Hotz legte eine beachtliche Beamtenkarriere hin. Sie war die erste Sekretärin des Ständerates, die erste Schweizer Bundeskanzlerin und zum Schluss Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes. Nun tritt die gebürtige Baarerin zurück. Im Interview erzählt sie, dass auch in der Schweiz viele Hilfsbedürftige leben, weshalb sie lieber im Hintergrund wirkt und wie man als Frau Karriere macht.

Annemarie Huber-Hotz

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Sieben Jahre – von 2000 bis 2007 – war Annemarie Huber-Hotz Bundeskanzlerin und gab dem Amt ein weibliches Gesicht. Als erste Frau stand sie der Regierung als achte Bundesrätin zur Seite. Nach der Zeit im Bundeshaus nahm sie Ämter in diversen gemeinnützigen Gesellschaften und Nichtregierungsorganisationen an. Unter anderem sitzt sie seit 2007 im Führungsgremium des Schweizerischen Roten Kreuzes. Im Jahr 2011 übernahm sie das Präsidium der Hilfsorganisation. Ende Juni 2019 tritt sie nun von diesem Amt zurück. Ihr Nachfolger wird der ehemalige Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger. Huber-Hotz hat drei Adoptivkinder.

SRF News: Annemarie Huber-Hotz, das Schweizerische Rote Kreuz assoziiert man vor allem mit Kriegs- und Katastrophengebieten. Trotzdem bleibt 95 Prozent des Geldes in der Schweiz. Weshalb diese Diskrepanz?

Annemarie Huber-Hotz: Das Leid ist hier zwar nicht im selben Masse sichtbar wie bei Flüchtlingen oder in Kriegsgebieten, doch auch in der Schweiz gibt es Elend. Natürlich ist die Not andernorts existentieller, dafür sind jedoch unsere Schwesterngesellschaften in anderen Ländern zuständig. Wir unterstützen diese zwar tatkräftig, doch unsere primäre Aufgabe ist es, für die verletzlichsten Menschen in der Schweiz einzustehen.

Annemarie Huber-Hotz
Legende: In ihrer Rolle als SRK-Präsidentin besuchte Annemarie Huber-Hotz auch immer wieder Krisengebiete. Hier ein Flüchtlingscamp in Bangladesch, in dem die aus Burma geflüchteten Rohingya unterkamen. SRK / Remo Nägeli

Sie waren die erste Ständeratssekretärin der Schweiz und danach auch die erste Bundeskanzlerin. Eine Pionierin und Vorkämpferin. Stört es Sie, wenn Sie damit aufs Frausein reduziert werden?

Ich fühle mich mit dieser Frage nicht aufs Frausein reduziert. Ich war absolut privilegiert in all meinen Lebensphasen und zur rechten Zeit am rechten Ort. Als ich Ständeratssekretärin oder auch Bundeskanzlerin wurde, war es einfach an der Zeit, dass auch mal eine Frau dieses Amt übernimmt und ich war bereit, um diese Stellen zu kämpfen. Trotzdem habe ich mich nie als Quotenfrau gefühlt.

Das klingt sehr bescheiden. Das Kanzler- und das Sekretariatsamt sind auch beides Ämter, die zwar wichtig sind, bei denen Sie jedoch im Hintergrund wirkten. Weshalb suchten Sie das?

Es war mir immer wichtiger, mich für eine Institution einzusetzen, als im politischen Kampf anzutreten und mich vor den Medien profilieren zu müssen. Ich konnte mich jeweils hinter der Institution verstecken und für diese einstehen. Ich war gut darin, zwischen verschiedenen Gruppen zu vermitteln und Leute zu ermahnen, dass sie für das Wohl der Schweizer Bevölkerung da sind und nicht für das eigene Ego.

Annemarie Huber-Hotz
Legende: Annemarie Huber-Hotz bei ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin im Dezember 1999. Keystone

Während Ihrer Karriere halfen Sie auch anderen Frauen, sich in einer von Männern dominierten Berufswelt zu behaupten. Was waren Ihre Ratschläge?

Um im Beruf zu bestehen, braucht es Mut, Geduld und die Fähigkeit, Misserfolge einstecken zu können. Wer Karriere machen und eine Familie haben will, muss bereit sein, 150 Prozent zu arbeiten. Yoga, Sport und andere Freizeitbeschäftigungen haben keinen Platz. In der Familie muss zudem der Mann mithelfen, sonst geht es nicht.

Ihr eigener Mann blieb zuhause und schaute zu den drei Kindern.

Dafür bin ich meinem Mann sehr dankbar. Diese Abmachung, dass er zurückstehen wird, hatten wir schon, als wir noch ganz jung waren. Tatsächlich konnten wir das dann auch so umsetzen.

Mit 70 Jahren geben Sie nun das Präsidium beim Schweizerischen Roten Kreuz ab. Gibt es für Sie überhaupt so etwas wie eine Pensionierung?

Es macht meiner Meinung nach tatsächlich keinen Sinn, einfach Reisen zu gehen oder ein Fitnessabo zu lösen. Ich möchte mich weiterhin für die Gesellschaft einsetzen. Künftig arbeite ich an der Basis des Roten Kreuzes und begleite ältere Menschen. Da kann auch ich Neues dazulernen. Etwa die Geduld, sitzenzubleiben, ein längeres Gespräch zu führen und nicht von einer Aufgabe zur nächsten zu rennen.

Das Gespräch führte Lea Schüpbach.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Zu leben heisst eigentlich sich zu erinnern, zu lieben lernen und seine Intuition zu entwickeln. Jetzt mit bald 60, anscheinend beginnt meine Intuition zu wachsen, habe ich den Plan des Universums verstanden. Das Umsetzen ist eine andere Sache. Es gibt die die andere das Geld und die Arbeit machen lassen, es gibt die die sich nur nach dem Geld ausrichten und dann gibt es die die ihrer Intuition und Bestimmung folgen, der dritte Weg ist der Königsweg, dem folgt immer auch das Geld nach.
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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Was bedeutet das eigentlich „Karriere machen“? Was treibt einen Menschen dazu an, nach diesem Wort sein ganzes Leben auszurichten? Geld, Einfluss, Macht, Bewundert werden, der Glaube, nur mit „Karriere“ mache das Leben Sinn - alles zusammen? Ist „Karriere“ die berühmte Karotte, hinter der der Esel unverdrossen hinterher rennt?
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