Tödlicher Angriff in St. Urban «Das sitzt den Mitarbeitenden in den Knochen»

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Mitpatienten läuft der Betrieb der psychiatrischen Klinik St. Urban zwar weiter. Intern wird der Vorfall aber noch aufgearbeitet, sagt der zuständige Chefarzt Julius Kurmann. Erste Massnahmen seien getroffen worden. Derweil untersucht die Staatsanwaltschaft.

Intern soll der tödliche Angriff eines Patienten auf einen 85-jährigen Patienten aufgearbeitet werden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Intern soll der tödliche Angriff eines Patienten auf einen 85-jährigen Patienten aufgearbeitet werden. zvg Klinik St. Urban

SRF News: Julius Kurmann, als Chefarzt der Luzerner Psychiatrie in St. Urban - wie sieht nach dem tödlichen Angriff der Alltag in der Klinik aus?

Julius Kurmann ist Chefarzt der Luzerner Psychiatrie in St. Urban. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Julius Kurmann ist Chefarzt der Luzerner Psychiatrie in St. Urban. zvg Klinik St. Urban

Julius Kurmann: Der Betrieb läuft natürlich weiter. Wir nehmen Patienten auf und gewährleisten die psychiatrische Versorgung. Intern sitzt den Mitarbeitern der Vorfall aber noch in den Knochen und ist ein Thema.

Legen Sie Wert darauf, den tödlichen Angriff mit den Mitarbeitenden aufzuarbeiten?

Wir sind schon dabei. Ich habe bereits am Freitagvormittag mit den Nachtwachen Gespräche geführt. Das Team hat sich seither mehrmals getroffen. Morgen ist ein Gespräch geplant mit dem Akutbereich, welche Massnahmen getroffen werden sollen.

Sind Sofortmassnahmen getroffen worden in der Klinik St. Urban?

Die erste Massnahme war, dass es auf besagter Station keine Neuaufnahmen gibt. Weiter haben wir den Sicherheitsdienst verstärkt. Diese Massnahme bleibt vorderhand bestehen. Wir werden den Fall sicher vertieft analysieren.

Wie läuft ein Eintritt in der psychiatrischen Klinik St. Urban ab?

Man muss unterscheiden. Rund 85 Prozent unserer Patienten kommen freiwillig in die Klinik. Nur 15 Prozent sind Zwangseinweisungen. Wir sprechen beim Eintritt mit allen Patienten, nehmen ihre Krankheitsgeschichte auf, schätzen ihren psychologisch-psychiatrischen Zustand ein und reden mit Angehörigen. Darauf basiert unsere erste Einschätzung des Patienten und dessen Behandlungsplan. Und so lief das Gespräch auch letzte Woche mit dem Mann ab, der einen anderen Patienten angriff und tödlich verletzte. Es gab keinerlei Anzeichen für die spätere Tat.

Was bedeutet die Untersuchung der Staatsanwaltschaft für die Klinik?

Das ist schon eine Belastung. Wir kooperieren natürlich und wollen die Situation auch geklärt haben. Man muss aber auch die Relationen sehen. Das ist ein ausserordentliches Ereignis.

Das Gespräch mit Julius Kurmann führte Christian Oechslin. Es handelt sich dabei um eine gekürzte Version. Das ganze Interview ist im Audio zu hören.